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Grünland: Runter vom Gas bei der Intensität?

Der Klimawandel, gesellschaftliche Veränderungen und neue politische Vorgaben beeinflussen die Nutzung des Grünlands erheblich. Wie sollten Landwirte künftig ihre Flächen bewirtschaften?

Lesezeit: 9 Minuten

Unser Autor: Prof. Dr. Martin Elsäßer, Universität Hohenheim

Schnell gelesen

Klimawandel und weitere Faktoren bewirken, dass die alten Regeln der ­Bewirtschaftung von Grünland nicht mehr gelten oder zumindest ­überdacht werden müssen.

In Trockenphasenoder auch Phasen mit Starkregenereignissen können Betriebe die Tiere nicht mehr auf das Grünland lassen. Dafür müssen sie ­Futterkonserven bereitstellen.

Auch in der Klimakrise hat die ­Grünlandnutzung nach dem System der abgestuften Bewirtschaftungsintensität weiterhin Bestand.

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Die Nutzung des Grünlandes wird immer stärker durch fünf Faktoren beeinflusst:

Zudem verlangen die Landwirte für höchste Milchleistungen ihrer Kühe Futter vom Grünland mit immer höheren Energie- und Eiweißgehalten und noch besserer Verdaulichkeit.

Regeln neu überdenken

All das bewirkt, dass die alten Regeln der Bewirtschaftung von Grünland so nicht mehr gelten oder zumindest gut überdacht werden müssen. Aber heißt das jetzt, dass wir mit der Leistungsfähigkeit unserer Grünlandbestände am Ende sind?

Im Folgenden werden Lösungen aufgezeigt, wie Sie die Intensität der Grünlandnutzung beeinflussen können.

Das Wachstum von Grünland hängt im Wesentlichen vom verfügbaren Wasser ab. Je Tag werden rund 2,5 l/m2 gebraucht. Wasser kann im Boden ge­speichert sein oder direkt aus Nie­derschlagswasser stammen. Aber die Wasserversorgung ist infolge der Klimakrise nicht planbar. Neben zeitweiliger Trockenheit oder sogar Dürren, die häufiger werden, kann es auch zu extremen Regenereignissen kommen. Hier werden dichte Grünlandbestände zur Minderung möglicher Erosionsschäden gefordert.

Längere Vegetationsperioden

Es zeigt sich schon jetzt, dass die Vegetationsperioden früher beginnen und länger dauern. Damit wird auch der erste Schnitt meist früher erfolgen und im Spätherbst wächst Grünland länger weiter. Gleichzeitig verschiebt sich die Hauptniederschlagsperiode vom Sommer in den Herbst. Zudem verhindern Sommertrockenheiten regelmäßige Nutzungen das ganze Jahr über.

Vor allem für Betriebe mit Weidegang heißt dies, Futterreserven für die Sommerperiode anzulegen. Und wenn Futter noch im Herbst bei mehr Niederschlägen wächst, kommt oft die Frage auf: Soll ich im Spätherbst noch ernten oder sollen die Bestände trotz des Risikos von Schneeschimmel oder Mäusebesatz hoch in den Winter gehen?

Dieses Problem verschärft sich noch dadurch, dass in trockenen Sommern nicht ausgebrachte Gülle oft noch im Herbst auf die Flächen verteilt werden muss, um die Güllelager zu leeren.

Andererseits kann Gülle im Herbst nur wenig produktiv genutzt werden, weil Graswachstum angeregt und noch mehr Futter im Herbst wachsen würde. Dies mag für Weidegang noch gut sein. Aber bei Schnittnutzung ist das weniger gewünscht, zumal mit höherer Futterverschmutzung bei der Ernte zu rechnen sein wird.

Intensität geht stark zurück

In Gebieten mit großer Trockenheit geht die Intensität der Nutzung stark zurück. Die Höhe des Niederschlags lässt sich nicht ändern, außer man beregnet oder bewässert.

Die Nutzbarkeit des Niederschlagswassers ist allerdings stark abhängig von der Möglichkeit der Böden, Wasser aufzunehmen und zu speichern. Zu bedenken ist hierbei, dass bei normalen Silageflächen etwa 65 % des Bodens mit Fahrspuren bedeckt sind und die Aufnahmemöglichkeit der Böden für Wasser bereits bei der ersten Befahrung stark sinkt.

Unter diesen Annahmen bedeutet zunehmende Befahrung durch einen Schnitt mehr eine erhebliche Einschränkung. Ebenso ungünstig wirkt sich das stark steigende Gewicht der Maschinen und Geräte aus.

Mit steigender Düngung und Nutzungshäufigkeit werden sowohl Wurzelmasse als auch Wurzeltiefgang zugunsten der oberirdischen Masse reduziert. Geringeres Wurzelwachstum führt dann dazu, dass Grünlandbestände anfälliger auf Stress, wie oberflächige Bodenverdichtung oder Trockenheit reagieren.

Zudem beschäftigt sich die moderne Ökologieforschung immer stärker mit den sogenannten funktionellen Merkmalen der Grünlandpflanzen. Darunter versteht man bestimmte Eigenschaften, wie z. B. Wurzeltiefgang oder -dicke.

Tieferes Wurzelsystem

Sie bestimmen maßgeblich die Fähigkeit der Pflanzen, sich erfolgreich an Umweltveränderungen anzupassen. Im Falle der Trockenheit bedeutet das z.  B., dass Grünland bei fehlendem Wasser nicht gänzlich verschwindet, sondern sich zu Beständen mit tieferem Wurzelsystem umwandelt. Im Klartext: Nach Trockenphasen haben alle Grünlandpflanzen ein größeres Wurzelsystem und können sich rascher wieder entwickeln. Allerdings wachsen auch Wurzelunkräuter wie Ampfer verstärkt.

Wie verändern sich Grünlandbestände bei unterschiedlicher Nutzungsintensität? Grünlandbestände sind botanisch extrem variabel, d. h. sie ver­ändern sich in Abhängigkeit von der Bewirtschaftung am jeweiligen Standort sehr stark.

Typischerweise nehmen mit gesteigerter Nutzungsfrequenz solche Arten zu, die recht schnell Nährstoffe in die Erneuerungsorgane einlagern können, bzw. deren Reservestoffspeicher bei der Nutzung nicht erfasst werden (z. B. unterirdische Wurzel- oder oberirdische Sprossausläufer). Bei häufiger Nutzung nehmen rasenbildende Gräser wie Deutsches Weidelgras, Wiesenrispe und Gemeine Rispe zu. Bei weniger häufiger Nutzung steigen die Ertragsanteile von Wiesenschwingel, Knaulgras und Glatt- bzw. Goldhafer an.

Was Leguminosen fördert

Die Übersicht rechts zeigt die botanische Veränderungen aus einem langjährigen Versuch am Standort Aulendorf. Geringe Stickstoffzufuhr fördert die Leguminosen. Im Vergleich der beiden nur mit P und K gedüngten Varianten steigert eine dreimalige Nutzung die Leguminosenanteile gegenüber der zweimaligen ebenfalls.

Die Zudüngung von Gülle war bei zweimaliger Nutzung eher kontraproduktiv. Denn je nach Standort und verfügbaren Nährstoffen gibt es auch eine Mindestnutzungsintensität, die an diesem Standort mit einer nur zweimaligen Nutzung unterschritten wurde. Mehr N-Düngung erhöht die Eiweißgehalte in den Aufwüchsen und verlegt die Schnittzeitpunkte nach vorne.

Inwieweit wirken sich die Veränderungen auf die Kosten der erzeugten Energieeinheit aus? Düngereinsparung auf der einen Seite und Ertragsrückgang auf der anderen Seite stehen sich gegenüber. Weiterer Effekt: Eine zu intensive Nutzung halten nur sehr wenige Arten aus. Auch gute und leistungsstarke Futtergräser verschwinden aus dem Bestand und Gemeine Rispe wird zunehmen. Das ist großflächig festzustellen.

Weniger häufiger nutzen?

Nun stellt sich die Frage, was würde passieren, wenn bislang intensiv genutzte Bestände von nun an weniger häufig genutzt werden, wenn z. B. aufgrund von Sommertrockenheit der dritte Aufwuchs nicht geerntet werden kann? Am LAZBW Aulendorf wurde dieser Frage mit einem Versuch nachgegangen.

Es zeigte sich, dass im Vergleich zur fünfmal geschnittenen Variante die weniger häufig geschnittenen Varianten deutlich geringere Erträge und Energiemengen aufwiesen. Zwei frühe Nutzungen und ein später Schnitt im September ergaben sowohl höhere Trockenmasse- als auch höhere Energieerträge. Die drei zeitgerecht frühen Schnitte fallen ertragsmäßig etwas ab, belassen aber die Option einer weiteren Ernte im Herbst, wenn die Witterung das zulässt.

Erste Nutzungen entscheiden

Entscheidend ist aber, dass Sie die Verteilung des Gesamtjahresertrages auf die einzelnen Aufwüchse beachten. Da zeigt sich klar, dass die Erträge der ersten Aufwüchse hoch sind und mit den weiteren Schnitten abnehmen und sich die Eiweißgehalte fast gegenläufig entwickeln. Es kommt also auch in Zeiten des Klimawandels darauf an, die ersten beiden Nutzungen des Jahres so produktiv wie irgend möglich zu gestalten, wenn man hohen Futterertrag und eine entsprechende Qualität ernten will.

Anders sieht es aus, wenn eine möglichst hohe Artenvielfalt erreicht werden soll. Dann ist ein späterer erster Schnitt die deutlich bessere Vorgehensweise. Damit ist aber eine wesentliche Erkenntnis ganz klar: Je nachdem, ob beste Futterqualität oder Artenvielfalt angestrebt werden, ist die Nutzungsintensität anzupassen. Und die Möglichkeiten der jeweiligen Grünlandstandorte sind zu beachten.

Wenn aber aus Kosten- oder Ertragsgründen oder bei immer häufiger auftretender Sommertrockenheit weniger häufig genutzt werden kann, dann sollten die ersten beiden Nutzungen im Jahr weiterhin frühzeitig erfolgen.

Die Wahl der Nutzungsfrequenz ist nicht beliebig. Denn Grünlandpflanzen benötigen nach einem Schnitt eine artspezifisch unterschiedlich lange Zeit für die Entwicklung neuer Blätter. Erst wenn genügend Blattmasse gebildet ist, kann der Bestand erneut genutzt werden. Das bedeutet, dass ein Bestand an eine häufige Nutzung angepasst sein muss. Ausgedrückt wird das mit der ­sogenannten Mahdverträglichkeitszahl. Ist sie hoch (zwischen 8 bis 9), sind die Pflanzen für eine häufige Nutzung besser geeignet als bei niedrigerer Zahl.

Wie hoch schneiden?

Was ist bei der Nutzungstiefe zu beachten? Die Geschwindigkeit des Nachwuchses nach einer Nutzung ist von der verbliebenen Restblattfläche und von der Menge an gespeicherten Reservestoffen abhängig. Zudem ist die Bauart der Gräser entscheidend.

Tiefe Nutzung wird von Gräsern mit Seitentrieben ertragen. Horstgräser sollten dagegen nicht ganz so kurz abgeschnitten werden, denn die Nährstoffe zum Wiederaustrieb werden in den Stoppelbereichen gespeichert. Bei beiden Grastypen ist es wichtig, dass der Wachstumskegel der Pflanzen nicht abgeschnitten wird. Ein tiefer Schnitt begünstigt eher die Kräuter, wohingegen Gräser eher gehemmt werden.

Auch Kurzrasenweiden dürfen nicht zu tief abgefressen werden. Hier empfiehlt sich eine Wuchshöhe von 6 bis 7 cm, die für den Erhalt einer genügenden Menge an Restassimilationsfläche ausreichend ist.

Portionsweiden können durchaus auch mal bis auf 4 cm abgefressen werden, weil infolge des Weideumtriebs die gerade abgefressene Fläche wieder geschont wird und genügend Zeit bis zum Neuaustrieb verbleibt.

Wir halten fest

Das altbekannte System der Grünlandnutzung nach dem System der abgestuften Bewirtschaftungsintensität hat weiterhin Bestand. Die Nutzungsintensität richtet sich nach den Standortbedingungen und betrieblichen Gegebenheiten. Wo intensive Nutzung möglich ist, wird in aller Regel intensiv genutzt.

Weiter entfernte oder schlechter nutzbare Flächen könnten extensiver genutzt werden und so dem Anspruch an Biodiversität genügen. Artenvielfalt kann also nicht nur auf einer einzelnen Fläche, sondern auch auf einem Betrieb mit unterschiedlich bewirtschafteten Flächen stattfinden.

Leguminosen werden in Zukunft immer wichtiger werden, denn sie reduzieren den Aufwand an Stickstoffdüngern und sind wichtig für die Steigerung der Biodiversität.

Eine weitere Kombination ist allerdings auch noch denkbar. Wird z. B. der erste Aufwuchs meist für Milchvieh verwendet, werden die weiteren Aufwüchse bei längeren Aufwuchszeiten für Biogas oder extensive Tierhaltungsverfahren genutzt. Eine solche Flexibilisierung wäre innerbetrieblich aber im Rahmen überbetrieblicher Kooperationen denkbar.

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