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Permakultur: Wie viel Chaos verträgt die Landwirtschaft?

Können Hühner im Wettbewerb mit der mechanischen Unkrautbekämpfung bestehen? Kristin Miß hat eine Kombination von Tierhaltung und Gemüsebau auf derselben Fläche durchgespielt.

Lesezeit: 5 Minuten

Beim diesjährigen Meister & Macher-Wettbewerb von top agrar haben elf Preisträgerinnen und Preisträger eine Auszeichnung für ihre Abschlussarbeiten erhalten. Wir stellen Ihnen die Köpfe hinter den Arbeiten vor.

Wofür nutzen wir die begrenzte landwirtschaftliche Fläche? Wie viel Fläche brauchen wir für die Ernährung von Menschen? Wie viel bleibt für die Haltung von Nutztieren? Diese Fragen haben Kristin Miß in ihrem Studium „Sustainable Agriculture“ an der Hochschule Rhein-Waal im niederrheinischen Kleve umgetrieben. „Ich habe mich gefragt, wie man das, was man hat, besser nutzen kann, indem man es kombiniert“, sagt Miß.

Im heimischen Gemüsegarten und im Studium beschäftigte sich Miß mit Permakultur und begeisterte sich für diese Idee einer intelligenten Dauernutzung. Doch zur Permakultur gibt es zwar viele Erfahrungsberichte von Anhängern des Konzepts, aber kaum wissenschaftliche Studien. Das wollte sie mit ihrer Bachelorarbeit ändern. „Der Ansatz ist ein bisschen chaotisch“, sagt Miß. Zuordnen zu einer Kategorie wie Pflanzenbau oder Tierhaltung lässt er sich kaum.

Hühner können mit Fräse mithalten

Auf einem kleinen Versuchsfeld in Alpen am Niederrhein ließ Miß die Unkrautbekämpfung vor der Aussaat für eine Woche von fünf Hühnern erledigen. In den Vergleich dazu stellte sie eine zweimalige Bodenbearbeitung mit einer Fräse. Alle Parzellen mit jeweils 20 m2 Größe bearbeitete sie vorher ein erstes Mal mit der Fräse. Um die Daten später statistisch abzusichern, legte Miß sechs Wiederholungen von beiden Varianten an. Die verwendeten Hühner gehörten der Rasse Silberbrakel an, einem Zweinutzungshuhn, das sich durch eine aktive Futtersuche auszeichnet.

Gemessen hat Miß das aufgelaufene Unkraut über eine photographische Dokumentation und die Auszählung der Grünanteile auf den Bildern. Am Ende konnten die Hühner die Unkräuter durch Scharren, Picken und Fressen von Samen, Keimlingen und Blättern über alle Wiederholungen hinweg innerhalb einer Woche zu 65 % bekämpfen. Mit der zweifachen Behandlung mit der Fräse erreichte Miß im gleichen Zeitraum eine Effizienz bei der Unkrautbekämpfung von 76 %. „Ich war überrascht, dass die Hühner so gut gearbeitet haben“, ordnet die Studentin die Ergebnisse ein.

Steckbrief:

Platziert in der Kategorie Sonderpreis

Kristin Elisa Miß, Alpen (NRW)

Alter: 28 Jahre

Abschluss: Bachelor, Sustainable ­Agriculture

Betrieb: kein eigener Betrieb

Ansatz: Kristin Miß hat sich wissenschaftlich mit der Flächennutzung und der Permakultur beschäftigt. In einem experimentellen Versuch hat sie verglichen, ob Hühner bei der Unkrautbekämpfung im ökologischen Gemüsebau mit der ­mechanischen Fräse mithalten können.

In ihrem Versuch nahm sich Miß auch eine Langfristperspektive vor. Können Hühner, indem sie Scharren und Samen fressen, das Unkrautsamenpotenzial im Boden langfristig reduzieren? Statistisch abgesicherte Ergebnisse konnte sie in ihrem Experiment dazu jedoch nicht ermitteln. Dafür waren der Zeitraum des Versuchs und die Wiederholungen zu gering. Allerdings war in den Parzellen, auf denen die Hühner gegrast hatten, über den Versuchszeitraum hinaus teilweise weniger Bewuchs zu sehen als nach der Behandlung mit der Fräse, beobachtete sie.

Ich war überrascht, dass die Hühner so gut gearbeitet haben.

Generell hatten Umwelt- und Witterungsbedingungen einen großen Einfluss auf die Ergebnisse. Der Versuch fand in den Monaten Mai bis Juli im trockenen Jahr 2022 bei wenig Niederschlag statt. Das hat das Auflaufen der Unkräuter verlangsamt. Auch lagen die aufgelaufenen Unkräuter in Versuchswochen mit Regen um ein Vielfaches höher als ohne. Hinzu kommt, dass Hühner als Lebewesen im Vergleich zur mechanischen Fräse viel unberechenbarer sind. „Das hat natürlich Nachteile“, sagt Miß. Auch hinterließen die Tiere auf dem Ackerboden durch das Laufen kleine Verdichtungen an der Oberfläche.

Option für die Solidarische Landwirtschaft

Bei ihrem Experiment hatte Miß Markt-Gemüsebaubetriebe oder die Solidarische Landwirtschaft im Kopf. „Mein Versuch ist eine Option für diejenigen, die ohnehin Hühner halten“, sagt sie. Die Idee kam Miß bei ihrer Arbeit in einer Bioland-Gärtnerei bei Kleve. Dort ist eine zweimalige Bearbeitung der Fläche mit der Fräse vor der Aussaat oder der Pflanzung von Gemüse im Ökolandbau Standard. Nach der Erstbearbeitung folgt eine Woche Ruhe, dann steht die zweite Bearbeitung an. Miß fragte sich, warum soll die Fläche eine Woche ungenutzt liegen bleiben? Was ließe sich im Sinne der effizienten Flächennutzung in dieser Zeit dort machen?

Unberücksichtigt blieb in ihrer Arbeit der Düngungseffekt durch die Hühner. Das hätte den Rahmen der Arbeit gesprengt, erzählt die Studentin. Doch klar sei, dass nach der Hühner-Variante Starkzehrer in der Fruchtfolge stehen müssen, die gut mit dem Hühnermist zurechtkommen. Salat wäre danach zum Beispiel eher ungeeignet. Auf ihrem Versuchsfeld hat Miß nach ihren Versuchen Kürbisse gepflanzt.

In der Praxis von Betrieben würde auch die Arbeitszeit eine Rolle bei der Bewertung der Varianten spielen. Der Aufbau des Hühnerstalls und die Umzäunung hätten am Ende eine vergleichbare Zeit gebraucht wie die Bearbeitung der Fläche mit der Fräse, erzählt Miß. Doch wegen der täglichen Beobachtung und Verpflegung der Hühner schneidet die tierische Variante bei der Arbeitszeit wesentlich schlechter ab. Demgegenüber könnte in der Wirtschaftlichkeit die Einsparung von Überfahrten und Treibstoff stehen.

Mit ihrer Bachelorarbeit hat Miß ein Experiment für eine Flächennutzung der Zukunft versucht. Die Ausgangsfrage nach der effizienten Nutzung von Ressourcen begleitet sie nun weiter: Sie hat sich für den Master „Biological Ressources“ eingeschrieben.

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