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Bilanz 2023

Rentenbank: Investitionen in der Landwirtschaft gehen deutlich zurück

Die Rentenbank hat 2023 deutlich weniger Förderkredite vergeben und verzeichnet damit eine massive Investitionszurückhaltung in der Landwirtschaft. Geschäftlich blickt die Bank auf ein gutes Jahr.

Lesezeit: 5 Minuten

Die Landwirtschaftliche Rentenbank verzeichnete im Jahr 2023 eine rückläufige Nachfrage nach ihren Förderkrediten. Das Geschäftsjahr 2023 lief für die Bank sehr gut. Das teilte die Rentenbank heute in ihrer Bilanzpressekonferenz mit.

Laut Nikola Steinbock, Sprecherin des Vorstands der Landwirtschaftlichen Rentenbank, ist die Investitionszurückhaltung in der Landwirtschaft vor allem auf die Verunsicherung in der Branche zurückzuführen: „Klimawandel, Digitalisierung und die demographische Entwicklung erzeugen einen enormen Anpassungsdruck. Die Konflikte in der Welt führen zu Verunsicherung und Angst. Die Stimmung in der Agrarbranche wird immer schlechter. Wer verunsichert ist, investiert nicht“, so Steinbock.

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Zu wenig in Wirtschaftsgebäude und Maschinen investiert

Das Förderneugeschäft der Rentenbank mit zinsgünstigen Programmkrediten ging über alle Sparten hinweg um 13,6 % auf 5,9 Mrd. € zurück (2022: 6,9 Mrd. €). Den volumenmäßig stärksten Rückgang verzeichneten die Fördersparten „Landwirtschaft“, „Erneuerbare Energien“ sowie „Agrar- und Ernährungswirtschaft“. Hier wirkten sich vor allem ausbleibende Investitionen in Wirtschaftsgebäude und Maschinen sowie die rückläufige Nachfrage nach Windkraftfinanzierungen dämpfend aus. Dagegen konnte das Neugeschäft in der Fördersparte „Ländliche Entwicklung“ aufgrund der hohen Nachfrage der Landesförderinstitute nach Globaldarlehen der Rentenbank erneut gesteigert werden.

Rentenbank erweitert Förderprogramme

Um die Widerstandsfähigkeit der Branche zu stärken und notwendige Investitionen anzuregen, hat die Rentenbank ihr Förderportfolio ausgeweitet:

-        Zuschüsse für umwelt- und klimaschonende Wirtschaftsweisen

Im Rahmen des im Jahr 2021 aufgelegten Investitions- und Zukunftsprogramms Landwirtschaft hat die Rentenbank im Auftrag des BMEL Zuschüsse für Investitionen in besonders umwelt- und klimaschonende Wirtschaftsweisen angeboten. Über das in diesem Jahr auslaufende Programm hat die Rentenbank mehr als 400 Mio. € an Zuschüssen bewilligt. 

-        Frauen in der Landwirtschaft und Stallumbau für mehr Tierwohl

Um die Investitionsbereitschaft der grünen Branche in Maßnahmen zum Klima- und Umweltschutz weiter zu fördern, hat die Rentenbank 2022 das Darlehensprogramm „Zukunftsfelder im Fokus“ mit zusätzlich vergünstigten Konditionen aufgelegt. Das ursprünglich mit vier Feldern gestartete Programm wurde im vergangenen Jahr um zwei weitere ergänzt. Im Fokus stehen Investitionen in eine effiziente Bewässerung sowie die Förderung der Selbstständigkeit und Existenzgründung von Hofnachfolgerinnen und Existenzgründerinnen in der Land- und Forstwirtschaft. Ende März dieses Jahres startete ein siebtes Zukunftsfeld „Stallumbau für mehr Tierwohl“. Mit dem neuen Zukunftsfeld unterstützt die Rentenbank Betriebe, die ihre Ställe umbauen wollen, um mehr Tierwohl zu ermöglichen. „Das ist das Mega-Thema im Moment“, sagt Nikola Steinbock.   

-        Agrarnahe Start-ups

Im Auftrag des BMEL vergibt die Rentenbank im Rahmen ihrer Innovationsförderung Nachrangdarlehen an agrarnahe Startups in der Frühphase. Im vergangenen Jahr wurden Nachrangdarlehen in Höhe von 4,4 Mio. € vergeben. Die bisher geförderten Start-ups zeigen eindrucksvoll, wie vielfältig die Innovationen sind, die für die Agrar- und Ernährungswirtschaft und die Bioökonomie entwickelt und dringend benötigt werden. 

-        Einordnung von Treibhausgasemissionen bei der Kreditvergabe

Anfang des Jahres hat die Rentenbank ihr Fachkonzept zur Einordnung von Treibhausgasemissionen bei der Kreditvergabe an landwirtschaftliche Kundinnen und Kunden veröffentlicht. Es ist eine Hilfestellung zur Erfassung bzw. Abschätzung der Höhe der Emissionen und der daraus resultierenden transitorischen Risiken. Damit wird die Möglichkeit geschaffen, mehr landwirtschaftliche Kreditnehmer in eine bessere Risikoklasse zu heben, da diese ihre tatsächlichen Leistungen und Risiken besser darstellen können. Kern des Fachkonzeptes ist ein Fragebogen.

Betriebsergebnis 2023 deutlich über Vorjahr  

Das Betriebsergebnis der Rentenbank 2023 vor Risikovorsorge und Bewertung liegt mit 197,3 Mio. € deutlich über Vorjahresniveau. Der Zinsüberschuss liegt bei 310,0 Mio. € (2022: 268,8 Mio. €). Dieser ist insbesondere auf die sehr guten Ergebnisse im Segment Fördergeschäft wegen geringerer Zinszuschüsse im Programmkreditgeschäft und auf die allgemeine Zinsentwicklung zurückzuführen.

Durch das positive Betriebsergebnis konnte die Kapitalbasis um 84,8 Mio. € gestärkt werden. Der Jahresüberschuss stieg von 36,0 Mio. € auf 37,0 Mio. €. Nach Dotierung der Hauptrücklage in Höhe von 18,5 Mio. € (2022: 18,0 Mio. €) lag der von der Rentenbank ebenfalls vollständig für Förderzwecke verwendete Bilanzgewinn mit 18,5 Mio. € leicht über dem Vorjahreswert (18,0 Mio. €).

„Es muss kräftig investiert werden“

Verhalten ist die Rentenbank in das Berichtsjahr 2024 gestartet. Das gesamte Förderneugeschäft lag im ersten Quartal bei 2,2 Mrd. €. Bis Mitte April 2024 nahm die Rentenbank 4,7 Mrd. € mittel- und langfristige Kapitalmarktmittel auf. 

„Wir sehen, dass kräftig investiert werden muss – egal, ob in den Umbau der Tierhaltung, in den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energie, in Klimaschutz oder in Biodiversität. Und es gibt viele Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft, die investieren wollen. Das wissen wir aus persönlichen Gesprächen, und das wissen wir aufgrund der Umfragen unseres Agrarbarometers. Gleichzeitig bleibt es schwer, Investitionen voranzubringen.“, fasst Nikola Steinbock ausblickend zusammen. „Denn mit der aktuell inversen Zinsstruktur, den regulatorischen Anforderungen und dem geopolitischen Umfeld kommt gerade vieles zusammen. Auf diese enorme Komplexität haben auch wir noch keine abschließenden Antworten.“, so Nikola Steinbock weiter. „Aber wir tun alles dafür, dass sich die Unsicherheiten für die Branche auflösen und die nötigen Investitionen vorangebracht werden können. Dazu sind wir mit unseren Stakeholdern im intensiven Austausch und dazu entwickeln wir auch unser Förderportfolio beständig weiter“.

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