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topplus Energiemanagement und Strom sparen

Dynamische Stromtarife zum Geld sparen?

Große Energieversorger müssen Tarife anbieten, bei denen sie niedrige Börsenpreise an ihre Kunden weitergeben. Doch was bringt das dem Kunden und welche Voraussetzungen muss er erfüllen?

Lesezeit: 6 Minuten

Dieser Artikel erschien zuerst im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben.

Stromverbrauch zum Nulltarif. So oder ähnlich hätte die Aufforderung am 4. November lauten können – zumindest nachts zwischen zwei und vier Uhr. Denn zu der Zeit kostete der Strom an der Strombörse in Paris (EPEX Spot) genau 0,0 ct/kWh. Stromkunden mit einem herkömmlichen Vertrag mit einem fix definierten Arbeitspreis je Kilowattstunde interessiert das nicht. Anders verhält es sich bei den Kunden, die einen dynamischen Tarif abgeschlossen haben. Sie profitieren von niedrigen Preisen an der Börse, tragen aber auch das Risiko steigender Preise. Bereits tags zuvor erfahren sie, wann der Strom günstig sein wird. Durch geschicktes Energiemanagement können sie dann Geld sparen, indem sie die Waschmaschine anstellen und das E-Auto laden, wenn die Sonne scheint oder der Wind weht.

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Dynamische Tarife sind seit Anfang 2023 für Stromanbieter mit mehr als 100.000 Kunden verpflichtend. Ab 2025 müssen alle Anbieter ein entsprechendes Angebot machen.

So funktioniert das Prinzip

Die dynamischen Stromtarifmodelle haben in der Regel einen festen monatlichen Grundpreis sowie einen variablen Arbeitspreis, der an den Strombörsenpreis gekoppelt ist. Hinzukommen die gesetzlich festgelegten Steuern, Abgaben und Umlagen sowie die Entgelte für Netznutzung und Stromzähler (2023 in der Summe rund 54 % des gezahlten Preises) – so, wie es auch bei Verträgen mit Preisgarantien üblich ist. Das heißt: Selbst wenn der Strompreis an der Börse gegen Null geht, muss der Kunde etwas für die Kilowattstunde zahlen.

Die Energieversorger kaufen den Strom zu tagesaktuellen Preisen an den Börsen EPEX SPOT in Paris und der EEX in Leipzig ein. Monatliche Abschläge gehören damit der Vergangenheit an. Die Kunden erhalten monatliche Rechnungen, die auf der tatsächlich verbrauchten Strommenge basieren.

Voraussetzungen

Diese Form der Abrechnung setzt voraus, dass der Versorger erfassen kann, wann im Haushalt wie viel Strom verbraucht wird. Dazu ist digitale Messtechnik nötig, die den aktuellen Verbrauch meldet. Das heißt, der digitale Stromzähler (Smartmeter) braucht eine aufgeschaltete Kommunikationseinheit (Gateway). Dann spricht man von einem intelligenten Messsystem. Bis 2032 soll ohnehin jeder Haushalt mit einem digitalen Stromzähler ausgestattet werden, doch noch ist das nicht geschehen. Eine ausfgeschaltete Kommunikationseinheit ist aktuell für all diejenigen Pflicht, die mehr als 6000 kWh/Jahr verbauchen oder eine PV-Anlage mit mehr als 7 kWp betreiben. Alle anderen können freiwillig ein intelligentes, sprich kommunizierendes Messsystem installieren lassen. Handelt es sich jedoch nicht um einen Pflichteinbau, darf der zuständige Messstellenbetreiber mehr als die gesetzlich vorgesehenen 20 bis 120 € pro Jahr für Einbau und Betrieb verlangen. Alternativ bieten auch Energieversorger mit dynamischen Tarifen Kommunikationseinheiten zum Kauf an. Beim Start-Up Tibber ist eine solche ab etwa 100 € erhältlich. Der sogenannte Pulse sendet die Informationen über den Stromverbrauch nicht an den Netzbetreiber, sondern ledglich an Tibber, wo die Daten für die genaue Abrechnung genutzt werden.

„Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn ich erstens einen hohen Verbrauch habe und zweitens für einen relevanten Teil meines Verbrauchs zeitlich flexibel bin“, sagt Ramona Ballod, Energiereferentin der Verbraucherzentrale Thüringen.

Dynamische Stromtarife sind vor allem für Betriebe und Haushalte mit großen Verbrauchern wie Elektroautos oder Wärmepumpen interessant, die diese Geräte auch zeitlich flexibel einsetzen können.

Überschaubarer Markt

Im Internet finden sich einige wenige Anbieter (Auszug siehe Übersicht), meist Start-Ups, die den Markt der dynamischen Stromtarife für sich entdeckt haben. Die herkömmlichen, großen Anbieter müssen zwar ebenfalls solche Tarife anbieten, tun dies jedoch meist versteckt auf ihren Homepages oder teilen diese Information nur auf Anfrage mit. Das Vergleichsportal Verivox hat in einer Stichprobe unter den größten 50 Städten in Deutschland herausgefunden, dass lediglich vier Grundversorger ihren Kunden ein konkretes Angebot unterbreiten. Drei weitere Grundversorger teilten Preise und Konditionen auf Anfrage mit. In zwei Städten hieß es, ein dynamischer Stromtarif sei bald verfügbar. In allen anderen Städten fand man kein Angebot.

Lohnt sich das?

Des Weiteren ging man der Frage nach, ob sich die Umstellung auf dynamische Strompreistrife für Privathaushalte rechnet. Sie betrachteten die vergangenen fünf Jahre im Durchschnitt und nahmen an, dass Verbraucher 10 % ihres Verbrauchs in die Tageszeit mit günstigsten Strompreisen verlegten. Durchschnittlich zahlten sie 31,46 ct/kWh. Dem stellten sie das günstigste Neukundenangebot mit fixem Arbeitspreis mit durchschnittlich 30,92 ct/kWh gegenüber. Demnach bedarf es einer größeren Verschiebung, sprich eines besseren Energiemanegements, um von dynamischen Stromtarifen zu profitieren. Zwar habe es in den vergangenen Jahren immer wieder Phasen gegeben, in denen dynamische Tarife günstiger waren, allerdings unterlägen sie teilweise enormen Preisschwankungen, heißt es weiter. Das volle Kostenrisiko liegt beim Verbraucher. Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox kommt daher zu dem Schluss, dass es sich bislang aus Kostengründen noch nicht lohne den Stromverbrauch in die jeweils günstigste Zeit zu legen. „Smarte Lösungen und Speicher könnten das in Zukunft aber ändern“, sagt er.

Tarif und Management

Für eine gelingende Energiewende kann es daher ratsam sein, bei der Wahl des Stromtarifs auf die Kompatibilität zwischen Stromanbieter und Energiemanagementsystem zu achten. Denn der Anbieter muss stündlich möglichst genau prognostizieren, wie hoch der Verbrauch seiner Kunden sein wird, um die entsprechende Strommenge an der Börse kaufen. Stimmt die Prognose nicht, muss der Versorger eine Strafe, die sogenannte Ausgleichsenergie, zahlen. Diese Mehrkosten wälzt er auf den Kunden um.

Bei Kopplung von Energieversorger und Managementsystem laufen Prognose und tatsächlicher Verbrauch synchron. Damit wird vermieden, dass der Stromanbieter das Laden des E-Autos für den Abend plant, das Managementsystem es aber für die Nacht vorsieht.

Kurz kommentiert: Ein bisschen mehr Dynamik?

von Dr. Katrin Quinckhardt

Ich habe (noch) kein Smartmeter – geschweige denn einen digitalen Stromzähler. Um von dynamischen Stromtarifen profitieren zu können, müsste ich mich um das Aufrüsten meiner Messtechnik kümmern. Meine Motivation dazu ist gering. Doch braucht es den durch die Tarife gesetzten finanziellen Anreiz, Ressourcen sparsam einzusetzen? Könnten wir es nicht vielleicht, wie Betreiber von PV-Anlagen machen und die größeren Stromverbräuche in die Zeit zwischen 12 und 16 Uhr legen, wenn das Stromangebot aus Erneuerbaren Energien am größten ist? Ob manuell gestartet oder als smart kommunizierendes Energiemanagementsystem – Möglichkeiten gäbe es. Vorausgesetzt, wir nehmen unsere Verbräuche unter die Lupe und machen sie für uns transparenter. Mehr Transparenz hätte ich mir auch von den großen Energieversorgern gewünscht. Gefragt nach ihren dynamischen Stromtarifen, verwiesen sie auf ihre Internetseiten und waren wenig auskunftsfreudig. Die jungen Unternehmen am Markt, die sich teils ausschließlich auf dynamische Stromtarife spezialisiert haben, waren deutlich mitteilsamer. Sie erläuterten ihre Preisbestandteile und woran sie ihr Geld verdienen. Meine Hoffnung ist, dass eben jene Start-ups es schaffen, dem Energiemarkt den nötigen Stups geben, den es zum Gelingen der Energiewende braucht. Dynamische Stromtarife sind sicher kein Allheilmittel, doch könnten sie einen Teil dazu beitragen, dass wir weniger Ressourcen verbrauchen. Das setzt aber voraus, dass wir bereit sind, historisch gewachsene Abläufe und damit verbundene Stromverbräuche, ob im Haushalt oder im Betrieb, neu zu denken und flexibler zu gestalten. Vielleicht sollten auch wir etwas dynamischer werden?

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