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Pestizidatlas: Druck zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln steigt

Mit dem Pestizidatlas drängt ein Umweltbündnis die Regierung zur Reduktion des Pflanzenschutzmitteleinsatz. Es sieht die junge Generation hinter sich. Und öffnet eine Tür für die Landwirtschaft.

Lesezeit: 4 Minuten

Die Bundesregierung soll den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln national, europäisch und weltweit weitreichender reduzieren als bisher geplant. Das fordern die Heinrich-Böll-Stiftung, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und das Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN Germany). Am Mittwoch stellte das Bündnis in Berlin ihren „Pestizidatlas 2022“ vor, eine Zusammenstellung von Aufsätzen über den nationalen, europäischen und weltweiten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Lebensmittelproduktion und dessen Folgen.

Pflanzenschutzmitteleinsatz steigt weltweit und stagniert in Europa

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„Das Thema ist überfällig“, sagte Barbara Unmüßig aus dem Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung bei der Veröffentlichung in Berlin. Weltweit sei die Menge eingesetzter Pflanzenschutzmittel seit 1990 um 80 % gestiegen. In Europa stagniere die Einsatzmenge. Für Deutschland hatte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittel (BVL) im Dezember einen Inlandsabsatz von Pflanzenschutz-Wirkstoffen (ohne inerte Gase) von 27.813 t gemeldet. Die Menge war nach den trockenen Jahren 2018 und 2019, wo der Pflanzenschutzmitteleinsatz merklich gesunken war, wieder leicht angestiegen.

Forderung nach einer Reduktionsvorgabe in Deutschland

„Wir brauchen mindestens die Halbierung der Pestizideinsätze weltweit“, forderte Unmüßig. In Europa sei mit dem Green-Deal und der Farm-to-Fork Strategie, die eine Halbierung des Einsatzes bis 2030 vorsieht, bereits eine „gute Vorlage“ gelungen. Dennoch zeigte sich Unmüßig enttäuscht, dass die neue Bundesregierung das Reduktionsziel nicht in ihren Koalitionsvertrag übersetzt hat. Deutschland habe noch keinen Fahrplan und keine Zeitvorgabe, wie eine Reduktion hierzulande gelingen soll, kritisierte Unmüßig.

Unterstützung für die Landwirtschaft bei Reduktionsmaßnahmen

Eine Tür für die konventionelle Landwirtschaft öffnete der Vorsitzende des BUND, Olaf Bandt. „Wir stehen nicht hier für eine Welt ganz ohne Pestizide“, sagte er vor Journalisten in Berlin. Es ginge um eine merkliche Verringerung. „Die Landwirtschaft wünscht sich, dass sie dabei unterstützt wird, das umzusetzen“, gestand Bandt ein. Dies könne zum Beispiel über die Reform der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) geschehen, etwa mit der Honorierung für den Verzicht auf Pflanzenschutzmittel im Ackerbau, sagte er. Bandt räumte allerdings ein, dass dafür bisher noch zu niedrige Prämien angesetzt sind. Im Katalog der Öko-Regelungen hat das Landwirtschaftsministerium dafür 130 €/ha ausgelobt. „Die Ökoregelungen müssen mindestens den Verdienstausfall ersetzen“, forderte Bandt. Dafür müssten Umwelt- und Landwirtschaft gemeinsam kämpfen, sagte er.

Forderung nach komplettem Verbot für Glyphosat und Neonicotinoide

Dennoch verlangte Bandt auch staatliche Auflagen. "Ohne Ordnungsrecht wird es nicht gehen", sagte Bandt. Das Bundeslandwirtschafts- und das Bundesumweltministerium müssten durch gemeinsames Handeln eine wirkungsvolle Reduktion in die Fläche bringen, so Bandt weiter. Konkret forderte er, am Auslaufen der Glyphosat-Zulassung Ende 2023 festzuhalten und beim Verbot von Neonicotinoiden keine Notfallzulassungen mehr zu erteilen. Zudem empfahl Bandt die Einführung einer Abgabe auf Pflanzenschutzmittel, um sparsamen Einsatz zu fördern. Das damit erwirtschaftete Geld solle in Forschung und die Honorierung von ackerbaulichen Maßnahmen fließen.

Exportverbot für in der EU nicht zugelassene Wirkstoffe

Für ein Verbot für den Export von in Europa nicht zugelassenen Pflanzenschutzmitteln in andere Weltregionen sprach sich Doris Günther, Vorstand von PAN Germany aus. Im Jahr 2020 habe es weltweit 385 Mio. Fälle von Pestizidvergiftungen gegeben, zitierte Günther aus einer Studie, über die im Pestizidatlas informiert wird. Dies läge vor allem an unzureichendem Arbeitsschutz und mangelnden Rechten der Anwenderinnen und Anwender weltweit.

Jungendumfrage ermittelt hohe Sensibilität

Neben den Umweltverbänden und der Zivilgesellschaft sehen die Autoren des Pestizidatlas die junge Generation in ihren Forderungen hinter sich. In einer Jungendumfrage, die im Atlas veröffentlicht fordern mehr als 70 % der Befragten eine Reduktion des Pflanzenschutzeinsatzes in Deutschland. Sie unterstützen die Entscheidung der EU, die die Halbierung des Pestizideinsatzes bis 2030 eingeleitet hat. Mehr als 60 % der Befragten sind sogar dafür die Nutzung von Pflanzenschutzmitteln insgesamt bis 2035 zu verbieten, wenn Bäuerinnen und Bauern beim Umstieg auf eine umweltfreundliche Landwirtschaft unterstützt werden. Fast 80 % der Befragten befürwortet eine stärkere finanzielle Unterstützung der Landwirtinnen und Landwirte, wenn weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Gefragt wurden dafür im Oktober 2021 die Altersgruppe der 16- bis 29-Jährigen, die laut den Autoren hinsichtlich Geschlecht, Bildung und regionaler Verteilung repräsentativ ausgewählt waren.

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