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Wohin kommt NRWs nächster Nationalpark?

NRW-Umweltminister Krischer ist auf der Suche nach einem Standort für einen zweiten Nationalpark. Den Ort lässt er offen. In einigen Regionen laufen schon kontroverse Diskussionen.

Lesezeit: 5 Minuten

Es ist die eine entscheidende Frage, die über der Nationalpark-Konferenz am vergangenen Freitag in Düsseldorf kreiste: Wohin kommt NRWs nächster Nationalpark? NRW-Umweltminister Oliver Krischer (Grüne) ließ sich dazu nicht aus der Reserve locken. Auch nicht dazu, wie der von ihm bereits vor Wochen angekündigte Beteiligungsprozess für die Bewerbung von Regionen für den Nationalpark aussehen soll. „Die Landesregierung wird den Beteiligungsprozess in Kürze starten“, wiederholte er mehrfach. Und: „Es ist ein ergebnisoffener Prozess“. Ziel sei es, einen zweiten Park in der laufenden Legislaturperiode bis Frühjahr 2027 auszuweisen.

Gescheiterte Versuche in mehreren Regionen NRWs

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Zu tief scheinen die Erfahrungen mit den gescheiterten Versuchen für einen Nationalpark in NRW aus der Vergangenheit zu sitzen. „Wir wollen aus den negativen Erfahrungen bei der Schaffung eines Nationalparkes lernen und einen Weg finden, um am Ende zu einem guten Ergebnis zu finden“, warb Krischer. Außerdem setzt er auf Zeit. „Man muss sich für die Diskussionen Zeit nehmen, damit die Menschen verstehen, warum das für sie ein positives Projekt ist“, sagte er.

Die negativen Erfahrungen münzt Krischer unter anderem auf die langen Diskussionen um den Nationalpark Standort Senne. Schon 1991 hatte der Landtag von NRW einstimmig beschlossen, das Gelände des Truppenübungsplatzes Senne bei Bielefeld nach der militärischen Nutzung zu einem Nationalpark zu machen. Die Planungen scheiterten am Ende am Widerstand vor Ort. Mittlerweile will das britische Militär unter anderem wegen des Ukraine-Krieges doch nicht mehr aus der Senne abziehen und den Truppenübungsplatz behalten. Damit könnte dieser Standort jetzt aus dem Rennen sein.

Auch im Siebengebirge ist ein Versuch, dort einen Nationalpark zu etablieren, gescheitert. Nachdem die Bürger Bad Honnefs im Jahr 2009 mit deutlicher Mehrheit einem Bürgerentscheid gegen das Projekt zugestimmt hatten, teilte der damalige NRW-Umweltminister Eckhard Uhlenberg (CDU) mit, dass die Arbeit eingestellt werde.

Krischer nimmt die ganze Landesregierung in die Pflicht

Der grüne Umweltminister Krischer versucht, die Verantwortung für die Schaffung eines zweiten Nationalparkes auf die gesamte schwarz-grüne Landesregierung abzuwälzen. Beide Partner, CDU und Grüne, stünden hinter der 2022 im Koalitionsvertrag vereinbarten Abmachung, betont er.

Doch die Auswahl an möglichen Standorten in NRW ist sehr begrenzt. Im Durchschnitt sind die Land-Nationalparks in Deutschland 10 000 bis 20 000 ha groß. Und zu den Kriterien für einen Nationalpark gehört, dass dieser großräumig und weitgehend unzerschnitten ist, also nicht von Verkehrswegen durchkreuzt ist. Solche Räume sind in NRW kaum vorhanden, erläuterte der Leiter des Nationalparks Eifel, Dr. Michael Röös. Von etwas mehr als 500 in Deutschland existierenden unzerschnittenen Räumen, befänden sich nur sechs in NRW, so Röös.

Eine Vorfestlegung auf Gebiete will das Umweltministerium in jedem Fall vermeiden. Krischer setzt nun vor allem auf Initiativen aus den Regionen. „Nationalpark geht nur miteinander. Wir wollen die Menschen in den Regionen mitnehmen“, sagte er.

Diskussion um Nationalpark spaltet das Eggegebirge

Offiziell umschifft wurde auf der Nationalpark-Konferenz die laufende Diskussion um den möglichen Nationalpark-Standort im Eggegebirge in Ostwestfalen in den Kreisen Höxter, Lippe und Paderborn. Die Vorfestlegung der Umweltverbände für das Gebiet wollte das Umweltministerium wohl unbedingt vermeiden. Die Umwelt- und Naturschutzverbände von NRW hatten zuvor erneut gefordert, dass die Umsetzung eines Nationalparks in der Egge Priorität haben solle. Die fachliche Eignung der Egge stehe seit einem Gutachten von 2005 außer Frage. Zudem erfülle der Staatswald in der Egge mit mehr als 12 000 ha die Mindestanforderung an die Größe und sei bereits weitgehend naturgeschützt, argumentieren sie.

Doch der Widerstand dagegen ist groß. Der CDU-Kreisverband Höxter hatte sich in einem am 5. August beschlossenen Positionspapier gegen die Ausweisung eines Nationalparks in der Egge ausgesprochen. Das Eggegebirge sei schon gut geschützt. Zudem sei eine naturnahe und nachhaltige Waldbewirtschaftung sinnvoller als eine stillgelegte Waldfläche. Ein Problem sieht die CDU außerdem in der Zerschneidung des Gebietes durch eine ICE-Strecke und mehrere große Straßen.

BfN empfiehlt einen Buchenstandort

Infrage für den zweiten Nationalpark kommt wohl vor allem ein Waldstandort mit Buchen. „Im Zuge der Ausweisung weiterer Nationalparke, sollte man einen speziellen Blick auf Buchenwälder legen“, empfahl Dr. Alfred Herberg vom Bundesamt für Naturschutz (BfN). Buchenwälder seien für Mitteleuropa charakteristisch und Deutschland trage eine hohe Verantwortung für Buchenwälder.

Der BfN-Fachgebietsleiter sieht Deutschland in der Verantwortung, weitere Nationalparke auszuweisen. Hierzulande machten die 16 Nationalparks einen Anteil von 0,6 % an der Landesfläche aus. Damit lande Deutschland in Europa auf einem der letzten Plätze, so Herberg. Deutschland stehe in der Verantwortung, sich am Montreal-Abkommen der UN-Staaten von 2022 zu orientieren. Darin hatten sich die rund 200 Staaten das Ziel gesetzt, mindestens 30 % der weltweiten Land- und Meeresflächen bis 2030 unter Schutz zu stellen. In der EU geht es um die Ziele aus der Biodiversitätsstrategie, laut denen mindestens 10 % der Flächen streng geschützt werden sollen.

Nationalparks haben auch Erholungsfunktion

Dass die Nationalparke nicht nur einen Naturschutzauftrag, sondern auch einen Erholungs- und Bildungsauftrag haben, betonte in Düsseldorf der Prof. Dr. Jörg Müller, der im ersten Nationalpark Deutschlands im Bayerischen Wald arbeitet. In einem Nationalpark sei eine ständige Balance aus Wildnis und Erholungsgebiet zu leisten. Das funktioniere nur durch eine Zonierung des Gebietes. Deshalb gebe es in jedem Nationalpark neben einem Kern aus 75 % des Gebietes mit natürlicher Dynamik auch bewirtschaftete Zonen, in denen mit den angrenzenden Land- und Forstbewirtschaftern zusammengearbeitet werde.

Tourismuswirtschaft hofft auf junge Generation

Die Tourismuswirtschaft machte in Düsseldorf deutlich, dass sie voll hinter einem neuen Nationalpark stehe, lieber früher als später. „Naturtourismus ist ein Potenzial-Thema für NRW“, sagte Dr. Heike Döll- König, Geschäftsführerin bei Tourismus NRW. Wandern und Natur sei gerade bei jungen Menschen und der kommenden Generation an Touristen gefragt.

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