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topplus Kartoffelmarkt

Kartoffeln könnten knapp bleiben – und teuer!

Das europäische Kartoffelangebot fällt weiterhin klein aus, während die Nachfrage in allen Segmenten hoch ist. Das stützt die Preise.

Lesezeit: 6 Minuten

In den vergangenen Monaten haben die Kartoffelpreise für alle Verwertungsrichtungen (z. B. Speiseware, Pommes frites, Chips) ein überdurchschnittliches Niveau erreicht. Erstaunlich dabei ist: Jüngsten Erhebungen zufolge ist die deutsche Kartoffelernte 2023 mit 11,6 Mio. t doch noch vergleichsweise groß ausgefallen.

Preise über Vorjahresniveau

Trotzdem hielten sich Anfang April, als bereits erste importierte „Neue“ das Angebot ergänzten, sowohl die Preise für Speisekartoffeln als auch für Verarbeitungsrohstoff über denen des Hochpreisjahres 2022/23.

Die wesentlichen Gründe dafür sind:

  • Die Speisekartoffelfläche schrumpft in Deutschland seit drei Jahren stetig.

  • Auf der Angebotsseite wirken die  Ernteverluste nach dem verregneten Herbst 2023 in ganz Westeuropa bis heute nach. Auch die Qualität der Ernte 2023 war teils von zu dicken und hohl werdenden Knollen, vor allem aber von eher niedrigen Stärkegehalten geprägt, was die Ausbeute schmälerte.

  • Die Kartoffelerträge in der Südhälfte Deutschlands fielen wetterbedingt erneut unterdurchschnittlich aus. Damit mussten nach dem knappen Vorjahresergebnis im Herbst 2023 bereits sehr früh viele Kartoffeln aus der neuen Ernte vermarktet werden. Immerhin konnte der Norden die Versorgungslücken im Süden vollständig schließen.

  • Die Speisekartoffelexporte in Richtung Süd- und Osteuropa waren noch größer als im schon gut verlaufenen Vorjahr.

  • Frittenkartoffeln und anderer Rohstoff für die Herstellung von Nahrungsprodukten wurden zwar im Vorjahr umfangreicher angebaut – der Bedarf ist aber wohl noch stärker gestiegen. Das allerdings nicht unbedingt hierzulande: Belgische Verarbeiter decken sich seit etwa zwei Jahren umfangreich mit Rohstoff aus den Nachbarländern ein. Schätzungen gehen von rund 2 Mio. t Kartoffeln in zwei Jahren aus, die dort zusätzlich größtenteils zu Pommes frites verarbeitet wurden.

Belgien braucht Pommesware

Belgien braucht damit riesige Zufuhrmengen an Frittenkartoffeln. Italiener haben erneut viele Chipskartoffeln vom hiesigen Markt abgezogen. Trotz größerer Ernte in Deutschland, Belgien und Frankreich wird in Westeuropa wohl nicht viel mehr Rohstoff für die letzten Monate des Wirtschaftsjahres übrig sein als im Vorjahr. Dafür waren die Ausbeuten zu gering und die Nachfrage u. a. nach Pommes frites zu groß.

Ende März/Anfang April wurde der Markt aber hier und da von etwas wachsendem Auslagerungsdruck geprägt. Vor dem Start der Feldarbeiten wollten Landwirte noch Vorräte räumen. Teils mahnte auch die Qualität dazu. Diese Phase geht aber vorüber und die Stimmung am Markt wird zunehmend davon geprägt, dass neuer Verarbeitungsrohstoff nicht zeitig genug gepflanzt wurde. Ob das Wetter hilft, Rückstände aufzuholen oder Hitze und Trockenheit die Vegetationsperiode der frühen Sorten verkürzt, bleibt ab­zuwarten.

Kartoffeln anhaltend knapp

Anfang April 2024 schaut der Kartoffelmarkt damit in eine Zukunft, die weiterhin von Knappheiten geprägt sein dürfte. Das hat je nach Markt­segment verschiedene Gründe. Jüngste Lagerbestandserhebungen zeigen, dass Speisekartoffeln derzeit noch knapper sind als im Frühjahr 2023 – und damals reichten sie schon nicht aus.

Für Ausgleich sorgen inzwischen ­importierte Speisefrühkartoffeln vom Mittelmeer – zunächst aus Ägypten und Israel, ab Mai dann auch aus Spanien. Wie im Vorjahr werden die in den Häfen eintreffenden Mengen aus dem südöstlichen Mittelmeerraum von Kartoffelvermarktern regelrecht aufgesogen. Freie Ware dürfte in den kommenden Wochen kaum verfügbar sein. Die ankommenden Partien sind meist in Programmen mit dem LEH gebunden, die teilweise schon vor Ostern im Premiumsegment und über die Ergänzung als sogenannte Spargelkartoffeln hinaus angeboten wurden. Bereits kurz nach Ostern stellte eine weitere Handelskette auf die „Frühen“ um, andere dürften im April ebenfalls früher als üblich ­folgen.

Weniger Frühe aus dem Süden

Insgesamt sind aus Lieferländern ums Mittelmeer nicht mehr Frühkartoffeln als im Vorjahr zu erwarten:

  • Bei guten Erträgen kommt aus Israel trotz Krieg im Gazastreifen, der zu Anbauverschiebungen geführt hat, so viel wie 2023.

  • Ägypten wird absehbar weniger liefern, weil die Sommerernte wegen geringer Pflanzgutlieferungen kleiner ausfallen dürfte. Bei der Frühjahrsernte melden die Importeure eine ähnliche Mengenplanung wie im Vorjahr. Damals waren mehr als 400.000 t nach Europa geliefert worden, die aber vor allem in Südeuropa aufgesogen wurde – Griechenland, Spanien. Das dürfte dieses Jahr auch wieder so sein.

  • Völlig anders als 2023 sind derzeit die Verhältnisse in Andalusien (Spanien). Während sich vor einem Jahr wegen Frost und Kälte im Winter die Kartoffelernte verspätet hatte und die Erträge enttäuschten, sind die diesjährigen Frühkartoffeln bisher, abgesehen von zwei Starkregenereignissen, unter op­timalen Bedingungen rasch herangewachsen. Trotzdem könnte die Belieferung von dort aber erneut klein ausfallen: Der Anbau in Andalusien ist nämlich laut amtlicher Statistik deutlich um 500 ha auf 4.500 ha reduziert worden. Zwar hoffen hiesige Importeure noch auf ähnliche Mengen wie 2023, diese vor Ort loszueisen, könnte aber eine Herausforderung werden.

Spätere Ernte in Deutschland

Zusammengefasst kann davon ausgegangen werden, dass am Speisekartoffelmarkt bis zum Start der hiesigen Ernte Ware knapp und gesucht sein wird. Später könnten Frühkartoffeln aus dem deutschen Südwesten und aus Burgdorf, Niedersachsen, für Entspannung sorgen. Dabei bleiben zwei Einflüsse zu beobachten: In Niedersachsen waren Frühkartoffeln einschließlich Anschlusssortimente zeitiger in der Erde als 2023 und könnten Ende Juni in größeren Mengen zur Verfügung ­stehen. Dafür hinken aber die Auspflanzungen von nicht mit Folie verfrühten Beständen in fast allen anderen Regionen früheren Jahren hinterher.

Pflanzgut sehr knapp

Die größte Herausforderung der Kartoffelanbauer in ganz Europa ist derzeit aber die Versorgung mit Pflanzgut. Dessen Anbau ist generell rückläufig. 2023 waren die Erträge gering und die Ausfälle wegen virusbedingter Aberkennungen sehr groß. Etwa ein Drittel der sonst vom Hektar geholten Pflanzgutmenge fehlt in diesem Frühjahr. Das hat Folgen für die Vermehrung und den Konsumanbau 2024. Es wird viel nachgebaut werden müssen.

Außerdem schneiden Landwirte Pflanzgutübergrößen, um das Ausgangsmaterial zu vermehren. Das für den Nachbau zurückgehaltenen Material steht Märkten nicht zur Verfügung und Nachbau bzw. Schneiden kann Auswirkungen auf Ertrag und Qualität haben. Anbauer werden sich 2024/25 bei der Sortenwahl mit Einschränkungen auseinandersetzen müssen.

Nicht zuletzt ist auch das Vorstufenpflanzgut knapp und nicht wenige Vermehrer haben angekündigt, den Anbau von Pflanzkartoffeln auch aus wirtschaftlichen Gründen einzuschränken – damit zeichnet sich für 2025 keine echte Entspannung der Lage ab.

Schnell gelesen

  • Nach der Ernte 2023 sind die Kar­toffel­preise auf Rekordniveau gestiegen: ­Mengen und Qualitäten enttäuschten.

  • Vorm Start der neuen Saison zeichnet sich eine knappe Versorgung ab: Vom Mittelmeer kommen weniger „Frühe“.

  • Kartoffelimporte dürften daher nur ­wenig Preisdruck auslösen, zuletzt hielten sich die Speisekartoffelpreise stabil.

  • Das knappe Pflanzgut für die Haupternte dürfte dagegen zur Herausforderung werden.

Ihre Meinung?

Kartoffeln könnten 2024 relativ knapp und teuer bleiben. Wie planen Sie den Anbau und die Verkmarktung in der diesjährigen Saison? Was sind die Kanckpunkte in diesem Jahr? Schreiben Sie und gerne per Mail an brueggemann@topagrar.com

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