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Rindfleisch aus Haltungsform 3 kommt in Handel - Tierwohl schmeckt bittersüß

„Die Großen“ im Einzelhandel wollen frisches Rindfleisch auf Haltungsform 3 umstellen - möglichst schnell. Leidtragende sind die Erzeuger, die in Windeseile ihre Betriebe umrüsten sollen.

Lesezeit: 3 Minuten

Dieser Kommentar erschien zuerst im "Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben".

Die Discounter geben mächtig Gas in Sachen Tierwohl. Allen voran Lidl: Noch in diesem Jahr sollen Verbraucher ausschließlich Rindfrischfleisch aus Haltungsform (HF) 3 in den Regalen finden. Also von Bullen, die in den letzten sechs Monaten vor der Schlachtung 4 m² Platz sowie Kontakt zum Außenklima hatten.

Der Discounter verspricht als einziger Händler, dass die Rinder dafür aus Deutschland stammen sollen. Doch auch Aldi Süd hat angekündigt, in einzelnen Filialen schon mal HF 1 und 2 auszulisten. Die Vollsortimenter dürften nachziehen. Aber mit dem Unterschied, dass sie ausländische Ware nicht ausschließen. Sicher ist: Der Handel zieht den ausgerufenen Haltungswechsel offiziell nicht zurück.

Was passiert mit Standard-Bullen?

Da besonders die Frischfleischvermarktung relevant ist bei Jungbullen, führt wohl kein Weg an HF 3 vorbei. Das bekommen Landwirte bereits zu spüren. Vermarkter suchen händeringend nach den Tierwohl-Bullen. Das versetzt Landwirte in Alarm. Viele treibt die Frage um, was künftig mit den QS-Standard-Bullen passiert. Nicht alle Betriebe können von heute auf morgen umstellen. Grob gibt es drei Gruppen:

  • Marktexperten schätzen, dass rund 10 bis 20 % der Bullenmäster ihre Betriebe ohne große Baumaßnahmen auf HF 3 umstellen können. Dazu gehören die Strohbetriebe in NRW. Für sie ist der Bonus für HF 3 ein süßer Mitnahmeeffekt.

  • Etliche Bullenmäster haben einen Stall mit Außenklimareiz auf dem Hof. Wer mitmachen will, müsste im Schnitt zwei Bullen aus der Bucht nehmen und könnte dann nur den ­einen Stall für die ­Endmast entsprechend HF 3 zertifizieren lassen. Die Direktkostenfreie Leistung pro Bulle gibt Aufschluss darüber, ob sich die Umstellung auf HF 3 für den Landwirt rechnet. Das ist kein Selbstläufer – aber möglich!

  • Anders sieht es für die Mast in Altgebäuden oder im Nebenerwerb aus. Hier fehlt häufig der Außenklimareiz. Umbaumaßnahmen sind teilweise nicht möglich oder zu teuer. Für diese Betriebe ist der Haltungswechsel bitter. Aber auch für dieses Rindfleisch gibt es Abnehmer – beispielsweise spielt beim Export in die Niederlande die Haltungsform keine Rolle.

Einheitliches Programm für HF 3

Also sollten Handel und Vermarkter die Weichen stellen, damit sie zumindest die Mäster der ersten beiden Gruppen an Bord haben:

  • Bonus statt Malus: In Expertenkreisen munkelt man, dass HF 3 noch dieses Jahr zum Standard wird und QS-Bullen abgestraft werden könnten. Das darf nicht passieren. Viel eher würde ein höherer Bonus Bauern motivieren.

  • In HF 3 für Rind sind aktuell 30 verschiedene Label zu finden. Wünschenswert wäre ein einheitliches Programm. Das würde bei Landwirten und Konsumenten für weniger Verwirrung sorgen.

  • Bullenmäster sollten die Möglichkeit haben, sich unabhängig für HF 3 auditieren zu lassen – auch ohne vertragliche Bindung an einen festen Schlachthof.

Zum ehrlichen Haltungswechsel gehören zudem langfristige Abnahmegarantien und Ware „made in Germany“. Nicht nur für Discounter, sondern auch für Vollsortimenter sollte „5 x D“, also Geburt bis Verarbeitung in Deutschland, selbst­verständlich sein. Dann kann die Branche das ambitionierte Ziel gemeinsam erreichen.

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