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ITW: Bauern ignorieren Pausentaste für Tierwohlfleisch

Tierwohlfleisch tut sich derzeit schwer am Markt. Wenig Interesse am zeitlich befristeten Ausstiegsprogramm. Deutliche Kritik am staatlichen Tierwohllabel. ITW-Pressekonferenz in Berlin.

Lesezeit: 3 Minuten

Die Initiative Tierwohl (ITW) hat ihren Schweinehaltern Ende letzten Jahres angeboten, die Lieferung von ITW-Schweinen vorrübergehend auszusetzen. Hintergrund ist, dass sich Tierwohlfleisch derzeit am Markt schwer tut und der Absatz massiv stockt.

Wegen der hohen Inflation greifen immer mehr Verbraucher zu günstigerer Ware. Das Interesse der Bauern am ITW-Pausenangebot aber ist gering. Wie top agrar erfuhr, haben bislang nur rund zehn Schweinehalter die Pausentaste gedrückt. Das heißt im Umkehrschluss: Die Bauern glauben weiter an ITW und setzen auf die Produktion von Tierwohlschweinen.

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Özdemirs Label setzt ITW unter Druck

Unterdessen sieht sich die ITW mehr denn je großen Herausforderungen ausgesetzt. Wie ITW-Geschäftsführer Dr. Alexander Hinrichs bei der ITW-Pressekonferenz im Rahmen der Grünen Woche erklärte, setzt das von Bundesagrarminister Cem Özdemir ins Leben gerufene staatliche Tierwohllabel die ITW im neunten Jahr ihres Bestehens unter Druck.

„Die ITW ist nicht unverwundbar. Wenn wir Tierwohl in Deutschland weiter voranbringen wollen, müssen wir die Initiativen des Staates und der Wirtschaft synchronisieren. Andernfalls wird das staatliche Label zum Tierwohlkiller“, warnt Hinrichs vor den Folgen.

Robert Römer, ebenfalls Geschäftsführer der ITW, betonte die Stärken der ITW. Er verwies darauf, dass die Betriebe beim staatlichen Label bestenfalls alle zehn bis zwölf Jahre kontrolliert werden. „Bei der ITW erfolgen jährlich zwei Kontrollen, davon eine unangemeldete. Nur so wird Tierwohl glaubhaft umgesetzt“, so Römer.

Kritik übte die ITW-Spitze beim staatlichen Label am Umgang mit ausländischen Betrieben. Römer kritisierte insbesondere die fehlenden Kontrollmöglichkeiten und sieht dadurch eine eindeutige Benachteiligung deutscher Betriebe. „Ein ausländischer Landwirt kann zwar anhand von Fotos zeigen, dass er Tierwohlmaßnahmen im Betrieb umsetzt. Kontrolliert werden kann das aber nicht“, so Römer.

„Am Ende wird im Ausland konventionell produzierten Fleisch bei uns im Supermarkt womöglich als Tierwohlfleisch deklariert.“ Römer warnte zudem davor, dass die Produktion womöglich verstärkt ins Ausland abwandert, weil deutsche Bauern wirtschaftlich benachteiligt werden.

Gespräche mit dem LEH über vierte Programmphase

Hinrichs und Römer berichteten, dass derzeit die Gespräche mit dem Handel über die ab Januar 2024 anstehende vierte Programmphase laufen. „Unser Ziel ist, dass wir noch mehr Ferkelerzeugern eine Perspektive geben. Den Anteil von 15. Mio. ITW-Ferkeln wollen wir deutlich erhöhen, um die durchgängige Nämlichkeit schnell zu erreichen“, so Römer.

Aktuell werden 27,6 Mio. ITW-Mastschweine von rund 10.000 ITW-Höfen (inkl. Ferkelerzeuger) produziert. Bei Schweinefleisch liegt die Marktdurchdringung im LEH bei 68 %. Bei Geflügel liegt sie bei 90 %. Hier beteiligen sich 3.000 Geflügelhalter mit über 700 Mio. produzierten Tieren an der ITW.

Im Milliardenbereich liegt mittlerweile die Auszahlungssumme für den ITW-Aufwand. Bis Ende 2022 wurden 1,2 Mrd.€ an die teilnehmenden Landwirte und Landwirtinnen ausgezahlt. „Das Geld wurde zu 100 % aus der Wirtschaft bereit gestellt. Steuergelder haben wir nicht in Anspruch genommen“; hob Robert Römer hervor.

Ergebnisse einer aktuellen forsa-Umfrage*



69 % der Befragten haben schon einmal von der ITW gehört oder gelesen. 92 % finden das Konzept dahinter gut bis sehr gut. 95 % der Deutschen erachten Stallkontrollen als zwingend notwendig für eine Tierhaltungskennzeichnung, die vertrauenswürdig sein soll.



Im Vergleich zum Vorjahr (68 %) ist die Bekanntheit der vierstufigen Kennzeichnung der Haltungsform erneut gestiegen – mittlerweile nehmen 73 % der Deutschen die Kennzeichnung auf Verpackungen von Fleisch wahr. Damit ist das von der ITW verantwortete System der Haltungsform inzwischen bekannter als das EU-Bio-Siegel, das 50 % der Befragten auf der Verpackung wahrgenommen haben.



*Repräsentativ durchgeführt im Januar 2023 unter 1.005 Bürgern

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