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Kommentar zur Studie des Thünen-Instituts

Schweinehalter steigen aus, Bestände schrumpfen, Schlachthöfe schließen: Ist das etwa nicht schlimm?

In den viehdichten Regionen im Nordwesten wandeln sich längst die Strukturen. Die Folgen zu analysieren ist richtig. Doch die Thünen-Studie ist über die Köpfe der Beteiligten hinweg zustandegekommen.

Lesezeit: 3 Minuten

Dieser Kommentar ist zuerst im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben erschienen.

Schweinehalter steigen aus, Bestände schrumpfen, Schlachthöfe schließen – doch das ist für die Veredlungsregionen in NRW und Niedersachsen nicht schlimm: Die frei werdenden Flächen sowie Arbeitskräfte nutzen andere Wirtschaftsbranchen. Und diese wachsen. Unterm Strich legen die Regionen gesamtwirtschaftlich weiter zu. Das zeigt zumindest eine aktuelle Studie des Thünen-Instituts für Marktanalyse. Viele Betroffene in den Regionen fühlen sich von diesem „Alles halb so wild“-Fazit allerdings vor den Kopf gestoßen – und haben Zweifel.

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Keine Frage: Der Wandel in viehdichten Regionen läuft. Daher ist es richtig, die Folgen zu analysieren. Schließlich war die Vieh- und Fleischbranche jahrelang Motor für Wirtschaft sowie Beschäftigung – und in den Regionen gibt es heute noch überdurchschnittlich viele Beschäftigte in der Land- und Ernährungswirtschaft. Sie fühlen sich von der Thünen-Studie aber überrumpelt: Sie sei über ihre Köpfe hinweg gelaufen.

Studie in der Kritik

Kritik gibt es auch an der Methodik der Studie. Das lässt sich als Außenstehender aber kaum beurteilen. Forscher müssen das unter sich klären. Zumal die mehr als 200 Seiten für Nicht-Wissenschaftler schwer verständlich sind. Relativ offensichtlich sind aber vier wunde Punkte:

  • In der Studie dreht sich fast alles um Schweine. Andere Tiere spielen kaum eine Rolle – obwohl von Borken bis Cloppenburg auch Rinder und Geflügel eine starke Bedeutung haben.
  • Die Thünen-Forscher knüpfen ihre Einschätzung an die Bedingung, dass Deutschlands Wirtschaft weiter wächst. Das tut sie gerade aber kaum, vielleicht schrumpft sie sogar. Auf Nachfrage halten die Studienautoren trotzdem daran fest und empfehlen, nicht noch länger zu warten.
  • Die Hypothese der Thünen-Forscher, „Wenn große Teile der Vieh- und Fleischwirtschaft weg sind, nutzen andere Branchen die Ressourcen und überkompensieren den wirtschaftlichen Rückgang“, ist ein Totschlagargument. Es ließe sich auf viele Branchen übertragen. Und: Auch auf Nachfrage bleiben die Autoren vage, welche Branchen denn tatsächlich profitieren könnten.
  • Völlig unbeachtet blieb, was Landwirte „nebenbei“ für den ländlichen Raum leisten, etwa ehrenamtliche Vereinsarbeit oder Pflege der Kulturlandschaft. Das lässt sich kaum in Cent und Euro messen, ist für das Land aber eine Stütze.

Transparenz schaffen

Hinter vorgehaltener Hand wundern sich scharfe Beobachter, warum ausgerechnet jetzt das Thünen-Institut, dessen Aufsichtsbehörde das Bundes­agrarministerium ist, diese Studie veröffentlicht. Es passe auffällig gut zu den Wünschen einiger Parteien und Gruppierungen zur künftigen Rolle der Tierhaltung, so der Vorwurf. Um Glaubwürdigkeit zu wahren, sollten die Thünen-Verantwortlichen schnell Transparenz schaffen.

Fazit: Die Wirtschaft in den Veredlungsregionen ändert sich. Ob eine Halbierung des Agrarsektors aber wirtschaftlich wirklich nur halb so wild ist, scheint keineswegs sicher zu sein.

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