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Den Hof umdenken? - Diese drei Anstöße können helfen

Krisen können Veränderung anstoßen. Diese Lernfelder helfen Landwirten dabei, sich für die Zukunft aufzustellen.

Lesezeit: 5 Minuten

Ich möchte gerne drei Lernfelder näher beschreiben. Sie erheben natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, wenn es um die Lektionen geht, die wir aus einer Krise mitnehmen können. Doch wenn man sie in Zukunft stärker beackert, bringen sie die Chance mit sich, der nächsten Krise mit mehr Energie entgegenzutreten.

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Lernfeld eins: Die Arbeitswirtschaft

Die Kosten der Arbeitserledigung sind auf dem Weltmarkt einer der größten Wettbewerbsnachteile für die heimische Landwirtschaft. Doch auch die soziale Seite ist wichtig. Wer zu viel auf dem Zettel hat, vergibt Lebensqualität. Hinzu kommt in vielen Fällen der Mangel an Vertretungsmöglichkeiten für Urlaubstage oder im Krankheitsfall.

Für die Höfe, die nicht groß genug sind, um mehrere gut eingearbeitete Vollzeitmitarbeiter zu beschäftigen, die den Betrieb jederzeit allein managen könnten, gilt es, Lösungen anzustreben. Das kann für einige Betriebsleiter eine Kooperation sein. Andere arbeiten im Generationenverbund oder haben zumindest für die wichtigen Aufgaben, die täglich anfallen, Vertretungsmöglichkeiten, z. B. durch Aushilfskräfte. Sinnvoll ist es, jemanden außerhalb der Familie zu haben, der zumindest die Abläufe im Stall kennt und beispielsweise einen Betriebshelfer einweisen könnte.

Gemeinsam stark

Eine andere Lösung wäre zum Beispiel, die Idee von Raiffeisen zu verfolgen: „Was wir alleine nicht schaffen …“ Der Erfolg der Maschinenringe spricht hier Bände. Und bitte halten Sie die Augen offen, denn bei Maschinenring-Veranstaltungen sind auch viele junge Menschen zugegen. Für zukunftsfähige Ideen ist das Auftreten künftiger Betriebsleiter ein guter Indikator. Dabei gilt es, das Thema „Gemeinsam sind wir stark“ kreativ und schmiegsam in die Praxis zu bringen, sprich passgenau und situativ immer wieder veränderbar. Wenn es irgendwo hakt, muss genug Spielraum zum Anpassen bleiben.

Daneben besichtigen viele Bauern in ihrer Freizeit am liebsten andere Betriebe. Und es ist gut, sich gelungene Beispiele in der Praxis anzuschauen. Viel zu oft wird hier aber Gesehenes für den eigenen Betrieb unhinterfragt kopiert. Dabei wäre „kapieren“, was überhaupt passiert und wo die Lösungsansätze erfolgreich ineinandergreifen, Erfolg versprechender.

Die Lösung muss zum ­Betrieb passen

Ich rate aber in Zeiten sprunghafter Preise dazu, sparsam mit außerbetrieblichen Faktoren wie Fremdkapital und arbeitskräften umzugehen. Letztere müssen entlohnt werden – auch wenn die Spardose leer ist. Wir sollten stattdessen vermehrt interne Lösungen wie den Schulterschluss mit Berufskollegen oder Nachbarn erschließen. Das erlaubt mehr Flexibilität.

Ich habe während meiner Berufstätigkeit einige Kooperationen mit auf den Weg gebracht. Was die Landwirte noch Jahre später immer wieder betonten, war die gewonnene Freiheit, im Lebensalltag aber auch in der Ökonomie.

Das Kostenmanagement ist daher neben dem Optimieren der Arbeitswirtschaft eine der wichtigsten unternehmerischen Tugenden. „First better than bigger“ heißt das auf Englisch.

Lernfeld zwei: Zeit für Beziehungen

Erfolgreiche Unternehmen gründen auf belastbaren und vertrauensvollen Beziehungen – diese sind der Humus des Erfolgs. Beziehungen sind immer eine Pflegeaufgabe und der Müßiggang ist aller Liebe Anfang. Wenn meine Sinneskanäle mit Arbeit vollgedröhnt sind, ist kein Platz mehr für Beziehungspflege. Ich warne aus meiner Erfahrung als Berater: Maschinen kann man reparieren, Beziehungen manchmal nicht mehr.

Gelingende Beziehungen brauchen belastbare Alltagserfahrungen gefüllt mit Wertschätzung und Vertrauen. Ein Strauß rote Rosen am Valentinstag reicht nicht. Wer gut aufgestellte, familiengeführte Unternehmen in der Landwirtschaft will, muss etwas dafür tun: Neben einer mittelstandsfreundlichen Politik braucht es schon in der Ausbildung oder im Studium Themen wie gute Kommunikation.

Gewaltfreie Kommunikation

Wenn sich vor allem ältere Landwirte oft mir zuliebe einmal auf weiche Themen eingelassen haben, stand ihnen ­danach oft der Schweiß auf der Stirn. Beziehungspflege und Kommunikation sind eben nicht nur eine Angelegenheit für den Frauenabend, sondern handfestes Werkzeug der Unternehmensführung. Wem es gut geht, auch in seinen Beziehungen, der hat schlicht mehr Energie und Rückhalt.

Eine klare Kommunikation gelingt aber nicht ohne Respekt. Leider erlebe ich gerade bei stockenden Hofübergabegesprächen immer mehr, dass die Nachfolger, manchmal aus Verzweiflung heraus, respektlos klar ihre Erwartungen an die Senioren formulieren. Es ist die Lebensaufgabe der Alten, die Jungen nicht in diese Falle tappen zu lassen. Das setzt aber rechtzeitige, klare und drucklose Gespräche voraus.

Und was ich an dieser Stelle noch unbedingt betonen möchte, weil es gerade die Hofübergabe schwierig macht: Eltern sollten bei ihren erwachsenen Kindern bedenken, dass aus Erziehung Beziehung auf Augenhöhe werden muss. Wie sie und wie deren Partner und Partnerinnen das Leben und den Betrieb gestalten, ist ihnen selbst überlassen.

Lernfeld drei: Der Verkaufsgedanke

Handwerker und auch Landwirte sind Macher. Einige gehen selbstverständlich davon aus, dass ihre nach allen Regeln der Kunst ausgeführte Arbeit anschließend vom Markt entsprechend entlohnt wird. Preise richten sich in der Marktwirtschaft aber nicht nach der Entlohnung. Stattdessen steuern sie die Verteilung der Produktion. Deshalb kann der Preis selbst nicht gerecht sein. Dazu braucht es entsprechende Anreize oder eine Steuerpolitik, die eine Sozialkomponente vergütet.

In diesem Bereich ist allerdings noch viel Luft nach oben. Um sich dem Fairness-Gedanken anzunähern, müssen wir aufhören, z. B. Gemeinwohlleistungen schlechtzureden. Das Motto „Wir wollen unser Geld am Markt verdienen und keine Subventionen bekommen“ führt in die entgegengesetzte Richtung.

Landwirten hilft es manchmal, ihr Entlohnungssystem zu überdenken. Sie müssen lernen, ihren Betrieb von den Märkten her zu steuern. Bei den standardisierten globalen Massenmärkten haben die Bauern keinen Einfluss auf den Preis. Über Verträge können sie ­lediglich den Preis absichern und ihr Risiko minimieren. Nur Wertschöpfungsgemeinschaften ermöglichen es, eine Verhandlungsposition einzunehmen, die stark genug ist, um aus Sicht der Erzeuger auskömmliche Preise zu erzielen. Sonst bleibt der Weg der Direktvermarktung.

Auch zu lernen, nicht nur den Lebensmittel-, sondern auch den Energie-, den Dienstleistungs- und den Markt für Gemeinwohlleistungen zu bedienen, ist ein Prozess des Umdenkens. Das schützt auch vor permanenten Enttäuschungen und Vorwürfen an andere. Ein erster Schritt ist es, umzudenken. Denn die Vermarktung immer nur anderen zu überlassen, war nie eine gute Strategie.

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