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Auslauf- oder Zukunftsbauer?

Brandenburgs Bauern fühlen sich weniger gehört als die Klimakleber

Auf der Klausurtagung sprach der Bauernverband Brandenburg gegenüber dem Minister aus, was die Bauern denken und was sie bedrückt. Statt sie zu ersetzen sollte Zusammenarbeit im Vordergrund stehen.

Lesezeit: 3 Minuten

Der Bauernverband Brandenburg hat am 12. Oktober gegenüber der Politik seinen Unmut über die Gesamtlage zum Ausdruck gebracht. Gegenüber Landesagrarminister Axel Vogel (Grüne), Staatssekretärin Anja Boudon sowie weiteren Vertretern der Leitungsebene des Agrarministeriums betonte Bauernpräsident Henrik Wendorff sein Rollenverständnis als Partner für den Klimaschutz.

„Wenn sich die Klimakleber der „Letzten Generation“ im gesellschaftlichen Diskurs äußern, gelten sie per se als Klimaschützer. Hinterfragen wir Landwirte die Umsetzbarkeit von Klimamaßnahmen, gelten wir als Blockierer“, beschreibt Wendorff die aktuelle Wahrnehmung des Verbandes.

„Wir müssen jedoch für unsere Mitglieder die Tragfähigkeit von Klimaprogrammen wie Moorschutz und Wiederaufforstung für die Landwirtschaft abprüfen, da sie unser Hauptproduktionsmittel – den Boden, unsere Flächen – direkt betreffen. Im Gegensatz zu anderen Wirtschaftszweigen können wir diesen nicht einpacken und woanders wieder aufbauen“, betonte er bei der Klausurtagung.

Streitthema Moor-Vernässung

Hintergrund dieser Schutzhaltung des Verbandes sind die von der Arge Klimamoor koordinierten Maßnahmen des Moorschutzprogramms des Landes. Sie werden in einigen Projektregionen erfolgreich mit den auf Moorstandorten wirtschaftenden Landwirten umgesetzt, stoßen in anderen Konstellationen jedoch auf erheblichen Widerstand, da eine Anstauung der Ackerflächen die derzeitigen Bewirtschaftungskonzepte der betroffenen Betriebe aushebeln würde, erklärt dazu der Bauernverband.

Im Zuge der Aussprache mit dem Minister u.a. zu den Plänen im Moorschutzprogramm unterstrich dieser ein weiteres Mal, dass „Ackerbau auf Moorstandorten ein Auslaufmodell“ sei. „Wir orientieren uns auf Grünlandwirtschaft und Moor schonende Stauhaltung auf diesen Flächen“, betonte er.

Enge Zusammenarbeit statt Ersetzen

Derart umwälzende Klimaschutzmaßnahmen müssen zwingend mit einer sozioökonomischen Folgenabschätzung einher gehen, so der Appell der Vertreter des LBV-Präsidiums an den Minister. Anke Herrmann, Abteilungsleiterin Wasser und Bodenschutz im MLUK, verteidigte den Ansatz, im Zuge der laufenden Pilotprojekte diese Folgeneinschätzungen bezogen auf den jeweils eingebundenen Betrieb zu erarbeiten und warb für die weitere enge Zusammenarbeit mit den Landwirten.

„Die Alleinstellungsmerkmale der landwirtschaftlichen Unternehmen wie Bodenständigkeit, Wertschöpfung im ländlichen Raum als auch Lebensmittelproduktion vor der Haustür geraten vor dem Hintergrund der Klimaziele Deutschlands in den Hintergrund“, zog Präsident Wendorff ein Fazit der intensiven Diskussion.

„Wir sind als Erzeuger von Lebensmitteln ersetzbar, denn Lebensmittel werden ohne Not aus anderen Ländern zu uns importiert, nachdem sie dort unter nicht immer besseren Bedingungen hergestellt wurden. Das weiß die Politik, das weiß die Gesellschaft“, legt er offen dar. „Doch diese Ersetzbarkeit birgt auch Risiken. Sie konterkariert die aktuellen Bestrebungen der wirtschaftlichen Unabhängigkeit Deutschlands.“

Früher Ernährungssicherer, heute Lösungsanbieter

Die Klausur offenbarte: Brandenburgs Bauern vollziehen mit ihrer kritischen, jedoch äußerst regen Mitarbeit bei der Umsetzung der Klimaziele der Landesregierung derzeit einen Wechsel ihres Rollenverständnisses vom Ernährungssicherer zum Lösungsanbieter.

Dieser Wechsel der Denkmuster wird seit 2020 auf allen Verbandsebenen mit dem Begriff #ZukunftsBauer überschrieben. Zukunftsbauer können jedoch nur Vorbildwirkung für die Mitgliedschaft entwickeln – so das Ziel -, wenn ihre Lösungsvorschläge gehört und angenommen werden. Eine knapp 100seitige gebundene Dokumentation der fachlichen Verbandsarbeit mit einer Fülle von Lösungsangeboten, die der Ministeriumsleitung am 12. Oktober übergeben wurde, belegt die Komplexität und die Langwierigkeit eines solchen Dialogprozesses.

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