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topplus Insekten mästen

Landwirte erhalten fixe Abnahmekontrakte für Insektenlarven als Heimtierfutter

Gesicherte Vermarktung für mindestens zwei Jahre: Das Start-up FarmInsect bietet Landwirten jetzt fixe Abnahmeverträge, wenn sie Insektenlarven mästen.

Lesezeit: 4 Minuten

Das Start-up FarmInsect will den nächsten Entwicklungsschritt gehen und setzt dabei weiter auf landwirtschaftliche Betriebe. Diese konnten bisher modulare, teilautomatisierte Insektenmastanlagen vom Jungunternehmen kaufen und darin die Larven der Schwarzen Soldatenfliege mästen. Die fertig gemästeten Larven mussten dann allerdings noch in Eigenregie an z.B. Futtermittelhersteller weitervermarktet werden. Das ändert sich nun.

Vermarktung für mindestens zwei Jahre gesichert

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„Wir können Landwirten nun feste Abnahmekontrakte für gemästete Larven und damit eine sichere, wirtschaftliche Perspektive im Betriebszweig Insekten bieten", bestätigt Mitgründer Thomas Kuehn im top agrar-Gespräch. Möglich wird dies, weil das mittlerweile stark wachsende Start-up kürzlich das erste Partnerunternehmen gewinnen konnte, das die gemästeten Larven von den landwirtschaftlichen Betrieben abholt, es zu Insektenmehl verarbeitet und in die Heimtierfutterbranche vermarktet. So wie eine Molkerei regelmäßig die Milch am Hof abtankt, schickt auch der Mehlhersteller einmal wöchentlich einen LKW, der die lebenden Larven in gekühlter oder gefrorener Form abholt.

Eine durchschnittliche Mastanlage mit fünf Kammern erzeugt rund 750 t Lebendlarven pro Jahr. Pro Woche werden also rund 15 t Larven vom Mehlhersteller abgeholt. Die Abnahmekontrakte haben standardmäßige Laufzeiten von 2 Jahren, danach verlängern sie sich automatisch.Investitionsseitig fallen Kosten zwischen 400.000 € und 900.000 € an, je nach Größe der Anlage. Eine Kühlmöglichkeit für 2,8 t Larven pro Produktionskammer, bei fünf Kammern also rund 15 t pro Woche, muss vorhanden sein.

FarmInsect-Mitgründer Thomas Kuehn lässt sich im Interview keine konkreten Abnahmepreise für die Lebendlarven entlocken. Erverweist stattdessen darauf, dass sich eine 5-Kammern-Anlage bei seinen Kunden nach durchschnittlich 3 bis 8 Jahren amortisiert. Ausschlaggebend für die Wirtschaftlichkeit der Anlagen seien wenig überraschend folgende Faktoren:

  • Futterpreise: Welche Futterquelle kann der Landwirt für die Insekten in seiner Region auftun und welche Preise muss er dafür zahlen? Kann er günstige Reststoffe aus der Region verwerten? Verfüttert werden kann z.B. Weizenkleie, Kartoffeldampfschalen, Biertreber, Traubentrester, (vegetarische) Reste aus der Lebensmittelindustrie oder sogar Gras. Verfüttert werden darf nur, was eine Zulassung als Futtermittel für Nutztiere hat.
  • Energiepreise: Kann der Landwirt die benötigte Wärme über eine vorhandene Biogasanlage beziehen oder muss er Flüssiggas einsetzen? Besteht am Betrieb die Möglichkeit Strom zu erzeugen, zum Beispiel über ein PV-System?
  • Infrastruktur/Gebäude: Kann der Landwirt vorhandene Altgebäude nutzen oder muss neu gebaut werden?

Haustierhalter zahlen gut für Insektenprotein im Hundefutter

Für einzelne Landwirte, die sich für Insektenzucht interessierten, war es bislang sehr schwer, die produzierten Insekten selbst zu vermarkten. Die Produktionsmengen waren oft zu klein, die Qualitätskontrolle lag beim produzierenden Landwirt selbst und mit Reklamationsansprüchen taten sich Insektenmehlhersteller schwer. Durch die Vereinbarung mit FarmInsect wird das von den Landwirten erzeugte Insektenprotein nun interessanter für die Mehlhersteller, so die Hoffnung des Münchner Start-ups.

So sei Insektenprotein ein marketingstarkes Verkaufsargument, das sich in der Bewerbung für Heimtierfutter gleich aus mehreren Gründen positiv herausstellen lässt, berichtet Kuehn. Haustierhaltern sei es zunehmend wichtig, das Futter mit regionalen Inhaltsstoffen zu beziehen, ihren CO2-Fußabdruck durch nachhaltiger erzeugtes Insektenprotein zu reduzieren und den oft Allergie-anfälligen Rassetieren sogenanntes hypoallergenes Futter anzubieten.

Hintergrund: So läuft die Insektenmast

FarmInsect hat eine schlüsselfertige Komplett-Lösung entwickelt, die es Landwirten ermöglicht, modulare Insektenmastanlagen vor Ort in ihren Betrieben aufzubauen. FarmInsect beliefert seine Kunden wöchentlich mit Junglarven, die vor Ort mit regionalen Reststoffen wie Schalen oder Ernteresten gemästet werden und so innerhalb einer Woche ihr Körpergewicht um mehr als das 250-fache erhöhen.

Durch diesen Stoffkreislauf soll proteinreiches Futtermittel direkt vor Ort im landwirtschaftlichen Betriebproduziert werden. Und das „zu niedrigeren Kosten, mit geringeren CO2-Emissionen und unabhängig von globalen Lieferketten", so die Idee des Start-ups. Die Mastanlagen von FarmInsect produzieren als Nebenprodukt zudem Kompost, der als Dünger verkauft oder zur Biogaserzeugung eingesetzt werden kann. Insgesamt können Landwirte nach Angaben des Start-ups mit den Lösungen von FarmInsect ihre Futtermittelkosten um bis zu 30 % senken. Jeder Prozessschritt wird über eine spezielle FarmInsect-Softwareplattform überwacht, die den Kunden Schritt für Schritt durch die Produktion führt.

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