Kommentar

Düngeverordnung und Rote Gebiete: Dickes, rotes Ende?

Die EU-Kommission wirft Deutschland eine fehlerhafte Ausweisung der nitratbelasteten Gebiete vor. Schlimmstenfalls könnten sich die roten Gebiete verdoppeln.

Ein Kommentar von Patrick Liste, Chefredakteur beim Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben.

Das Drama könnte mit einem Knall weitergehen: Die EU-Kommission wirft Deutschland vor, die nitratbelasteten Gebiete kleingerechnet zu haben. Und fordert Anpassungen. In NRW könnten sich die roten Gebiete verdoppeln – und viele Landwirte wären über Nacht von verschärften Düngeauflagen betroffen, ohne mehr gedüngt zu haben und das Hin und Her der Kulisseneinteilung nachvollziehen zu können.

Gebietsausweisungen mehrfach geändert

Die Lage: Im März 2020 hat Düsseldorf die ­Methode zur Gebietsausweisung geändert. Die nitratbelastete Fläche sank von 42 auf 19 % bzw. 303.000 ha. Das lag am besseren Zustand der Grundwasserkörper und der neuen Binnendifferenzierung durch Modellierungen. Dieses NRW-Verfahren war Vorbild für die bundesweite Vorschrift für nitratbelastete Gebiete. Sie kam im September 2020.

Auf den letzten Drücker stellte NRW einen Tag vor Silvester...


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