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Warum Wachstumsregler in Gerste jetzt so wichtig sind

In der Gerste haben Wachstumsregler gleich zwei Ziele: die Standfestigkeit absichern und das Ährenknicken verhindern. Lesen Sie hier, welche Strategien erfolgsversprechend sind.

Lesezeit: 7 Minuten

Unser Autor: Tobias Schulze Bisping, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

Mit einer Anbaufläche von ca. 1,3 Mio. ha hält sich die Wintergerste in den letzten Jahren auf einem stabilen Niveau. Rein züchterisch hat sich bei der Gerste einiges getan. So stieg z. B. der Ertrag zwischen 2010 und 2020 tendenziell an, immer mehr neue Sorten weisen eine BYDV-Toleranz auf und nicht zuletzt hat sich auch die Standfestigkeit deutlich verbessert, wie z. B. bei der Sorte Julia.

Im Vergleich zu den übrigen Wintergetreidearten ließ sich die Gerste im vergangenen Herbst noch unter trockenen Bedingungen bestellen. Die darauffolgenden Niederschläge bis einschließlich Januar haben viele Bestände aber unter Stress gesetzt. Eine frühzeitige Andüngung mit Nitrat-N und eine Vitalisierung durch Mikronährstoffe (evtl. plus einer kleinen AHL-Menge) empfehlen sich hier als Erstes.

Gerste mehrmals regulieren?

Mit der Zulassung von CCC in Gerste (z. B. Regulator 720) vor einigen Jahren hat sich das Wirkstoffportfolio nochmals erweitert. Der Wirkstoff bietet die Möglichkeit, zur Bestockung insbesondere in üppiger Gerste frühzeitig eine nachhaltige Einkürzung der unteren Internodien vorzunehmen. In aller Regel kommt es in einer Mischung mit Moddus (oder einem anderen Trinexapac) zum Einsatz. Weitere Behandlungen bauen auf dieser Maßnahme auf.

Deutschlandweit lassen sich aber nur wenige üppige Bestände vorfinden, sodass mit dem klassischen Behandlungsbeginn zum Schossen in EC 31/32 ein guter Termin für den Start liegt. Der Wirkstoff Trinexapac-ethyl bildet hier die Basis. Grundsätzlich sind die Temperaturansprüche von Trinexapac etwas höher. Sicher wirkt dieser Wirkstoff bei Temperaturen von über 12 °C und bei sonnigem Wetter. Wer bei deutlich kühlerer Witterung fährt, muss mit einer sehr eingeschränkten Wirksamkeit rechnen.

Wichtig: Allgemein gilt für Wachstumsregler, dass sich suboptimale Witterungsbedingungen (vor allem zu kalt, zu bedeckt) nicht durch eine Erhöhung der Aufwandmenge ausgleichen lassen.

Tipps zum Einsatz von Moddus

Mittlerweile gibt es neben dem klassischen Moddus eine ganze Reihe von generischen Produkten am Markt. Bereits Anfang der 2010er-Jahre, hat die LWK NRW verschiedene Generika getestet. Dabei ist es zu keinen nennenswerten Wirkunterschieden gekommen. EC-Formulierungen sind allerdings oftmals griffiger. So enthält z. B. das Mittel Calma im Vergleich zu dem Originalprodukt Moddus nur 70 % der Wirkstoffmenge, die Formulierung gleicht dies aber aus. Wer den Preisvorteil solcher Nachbauten nutzen möchte, sollte auf Produkte setzen, die im offiziellen Versuchswesen getestet wurden.

Die Aufwandmenge von Moddus (oder eines anderen Trinexapac) bei der  ersten Einkürzung  liegt zwischen 0,15 bis 0,6 l/ha und orientiert sich an der Sorteneinstufung und dem Wassernachlieferungsvermögen des Standorts. Der Aspekt der besseren Standfestigkeit und die zunehmenden Frühjahrstrockenheiten sprechen für die angegebenen niedrigeren Aufwandmengen. Im aktuellen Erntejahr 2024 sind die Bestände zudem nicht zu dicht, wodurch auch eine natürliche Einkürzung (Lignifizierung der Halmbasis) durch Lichteinfall stattfindet. 

Wie bereits erwähnt, ist die optimale Witterung mindestens die halbe Miete für eine zufriedenstellende Wirkung. Gerade zum ersten Termin (im Nordwesten oftmals um den 20. April herum) stellt sich nicht selten eine kühlere Wetterlage mit suboptimalen Bedingungen für reines Moddus ein. In diesem Fall können Sie sicherer mit Prodax arbeiten, das zusätzlich Prohexadion enthält.

Wenn der Bestand davonwächst

Medax Top + Turbo empfiehlt sich immer dann, wenn EC 31/32 schon überschritten ist und der Bestand regelrecht davonwächst. Ein weiterer Vorteil dieser Anwendung zeigt sich, wenn man bei der ersten Einkürzung schon ein Fungizid z. B. gegen Zwergrost einsetzen muss. Ab EC 32 schützen sie dann schon das drittletzte, also ein ertragsrelevantes Blatt. Die Wirkung, bzw. die Wahl der Aufwandmenge von Medax Top + Turbo, hängt immer sehr stark von der Tagestemperatur bzw. Temperaturentwicklung ab. Dementsprechend empfiehlt es sich, bei rund 20 °C die in der Übersicht angegebene untere Aufwandmenge zu wählen. Die Wirkdauer ist gegenüber Moddus kürzer.

Empfehlung für leichte Standorte

Die Mischung Moddus + CCC zu EC 31/32 empfiehlt sich immer dann, wenn Sie auf schwächeren Standorten einen üppigen Bestand trotz schon abnehmender nFK/Wasserverfügbarkeit einkürzen möchten. Die Kombination ist in der Wirkung milder als reines Trinexapac-ethyl (Moddus). In unseren Versuchen hat sich über die Jahre bestätigt, dass 0,5 l/ha CCC + 0,3 l/ha Moddus in etwa gleich wirken wie 0,5 l/ha Moddus solo.

Wer in EC 37 bis 39 feststellt, dass sich der Bestand aufgrund von hoher N-Nachlieferung und/oder schlechter Wirksamkeit der ersten Maßnahme zu üppig entwickelt, kann als  Notbremse  0,3 bis 0,8 l/ha Medax Top + Turbo nachlegen.

Wie gut Silizium-haltige Produkte die Gerste stabilisieren, lesen Sie unter „Alternative Produkte“.

Praxistipp zu Mischungen

Nicht selten kommt es zum ersten Wachstumsreglertermin vor, dass man neben einem Fungizid auch noch ein Herbizid gegen letzte Unkräuter wie Kamille oder ähnlichem benötigt. Derartige Mischungen aus Wachstumsregler + Fungizid + Herbizid sind in der Wirkung aber kaum zu kalkulieren und können überziehen. Sollte dann noch Kälte zusätzlichen Stress verursachen, sind Mindererträge vorprogrammiert.

Ährenknicken verhindern

Sorten wie SU Ellen, SY Galileoo oder Paradies neigen besonders stark zum Ährenknicken. Insbesondere dann, wenn die Gerste totreif ist, die Witterung aber keine Ernte zulässt, können durch das Abknicken und Abfallen der Ähren erhebliche Ertragsverluste entstehen. Ethephon, enthalten in Cerone oder Camposan Top, wirkt ab Temperaturen von 14 °C sicher und ca. drei bis vier Tage lang. Die Einstrahlung ist dabei weniger wichtig. Mit Aufwandmengen von 0,2 bis 0,5 l/ha Camposan kürzen Sie in EC 49 den letzten Halm­abschnitt (Pedunkel) ein. Bis zum Grannenspitzen können Sie das Mittel bedenkenlos einsetzen. Bei Temperaturen von über 20 °C empfiehlt es sich, die Aufwandmenge um 20 % zu reduzieren und möglichst abends zu fahren.

Durch die Einkürzung des Pedunkels verlagert sich zusätzlich der Schwerpunkt des gesamten Bestandes nach unten. In unseren Versuchen können wir in Jahren mit Lagergefahr immer wieder feststellen, dass sich durch die Nachlage mit Camposan/Cerone Lager verhindern und damit Ertrag retten lässt.

Was leistet Silizium

Neben den klassischen Wachstums­reglern – die als Pflanzenschutzmittel gelten – kommen in den letzten Jahren immer mehr Pflanzen-Biostimulanzien mit demselben Anwendungszweck auf den Markt. Dabei sollen sie unabhängig von der Witterungslage ausgebracht werden können. Zusätzlich stellen Anbieter die gute Verträglichkeit einiger Produkte, besonders bei Trockenheit, heraus. Letzteres erscheint insbesondere auf Standorten mit regelmäßiger Vorsommertrockenheit interessant. Aus diesem Grund hat die Landwirtschaftskammer NRW einige Mittel auf Basis von Silizium getestet und mit den klassischen Varianten verglichen.

Versuchsaufbau & Ergebnisse

Seit 2021 werden bei der Landwirtschaftskammer NRW Erfahrungen zur Absicherung der Standfestigkeit durch Siliziumprodukte in Wintergetreide gesammelt. Einkürzungsleistungen konnte man mit den getesteten Produkten in den vergangenen drei Versuchsjahren nicht erzielen. Genauso wenig ließen sich im Durchschnitt der Versuche Mehrerträge generieren. In 2021 und 2022 ist in allen Versuchen (auch in der Kontrolle ohne Wachstumsregler und ohne Siliziumprodukt) kein Lager aufgetreten. Daher konnte bis dahin keine Aussage zum Thema Lagervermeidung getroffen werden.

In 2023 wurde ein Versuch in  Wintergerste  mit gleichem Aufbau an drei Standorten (Greven, Blomberg und Münster) angelegt. Davon ist nur der Versuch in Münster (Sorte: Esprit) Mitte Juni 2023 ins Lager gegangen (siehe Übersicht 3). In der Kontrolle wurde im Mittelwert der vier Wiederholungen ein Lagerindex ((Fläche (%) x Lagerneigung in Grad)/100) von 39,4 ermittelt. Ein „herkömmlicher“ Wachstumsreglereinsatz von 0,5 l/ha Calma (EC 32) in der Vorlage (Variante 2) kürzte die Gerste und reduzierte den Lagerindex von 39,4 auf 9,4. Die in Variante 3 aufgeführte Nachlage von 0,2 l/ha Camposan Top baut auf den Calma-Einsatz des ersten Termins auf und brachte hier eine zusätzliche Einkürzung der Pflanzenlänge. Das Lager verringerte sich leicht von 9,4 auf 4,25 Indexpunkte. Die geprüften Produkte HardRock und Lebosol-Silizium zeigten einen ähnlichen Lagerindex wie die Kontrolle und damit in diesem Versuch keinen Effekt auf die Lagervermeidung (Varinaten 4 und 5). HardRock und Lebosol-Silizium waren ertraglich dabei statistisch gleich.

Wie in den Vorjahren, zeigte sich auch in 2023 die Kombination einer reduzierten Aufwandmenge Wachstumsregler mit Hard­Rock in allen Versuchen verträglich (Variante 6). Die Einkürzungsleistung beruht dabei aber vorwiegend auf den herkömmlichen Wachstumsreglern. Dies wird deutlich im Vergleich zur Variante 7, in der auf Siliziumprodukte verzichtet wurde. Im Vergleich zur Kontrolle konnten die Maßnahmen der Varianten 6 und 7 das Lager auf einen Index von 8,7 bzw. 5,8 reduzieren.

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