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Nasswiese oder Torfmoos im Moor? Landwirt Lütjen-Wellner sammelt Erfahrungen mit Paludikultur

Eierkartons, Pappe, Dämmstoff: Landwirt Hans Lütjen-Wellner sucht händeringend neue Chancen im Moor und hat schon viel ausprobiert. Auch für Torfmoos wäre er offen. Was es dazu aber bräuchte.

Lesezeit: 3 Minuten

Wir Moorbauern mussten schon immer flexibel sein“, sagt Mutterkuhhalter Hans Lütjen-Wellner, der im Teufelsmoor im niedersächsischen ­Osterholz-Scharmbeck einen Biobetrieb mit 400 ha Grünland bewirtschaftet. Gemeinsam mit einer Gruppe von Landwirten seiner Region experimentiert er seit Jahren mit Paludikulturen, bzw. Nasswiesengräsern, weil ein Großteil der dortigen Flächen mit Natur- und Landschaftsschutzauflagen belegt ist. Schon lange vor der Diskussion um die Wiedervernässung der Mooremusste Lütjen-Wellner also kreativ werden.

Doch auch ohne nasse Moore steht er vor der Frage: Wie verwertet man die aus futtertechnischer Sicht quasi wertlosen Gräser wie Seggen, Binsen oder Ampfer, die auf seinen Nasswiesen wachsen, noch sinnvoll? Sozusagen aus der Not heraus, ist Lütjen-Wellner also zum Paludi-Pionier geworden. Ob Dämmstoffe, Pappkartons oder Eierkartons: Als Gründungsmitglied des Arbeitskreises Aufwuchsverwertung hat er schon vieles versucht. Nichts wollte klappen. Am Ende fehlte immer ein Abnehmer, der die zwangsläufig höheren Preise der nachhaltigen Produkte tragen wollte.

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„Wir suchen händeringend einen Weg, wie wir das anfallende Gras verwerten ­können. Im Moment kann ich es nur zum Einstreuen nehmen.“ Einiges ­vergammelt auch. Nachhaltig ist das nicht.

Neueste Alternative: Torfmoos

Auf dem Moorgipfel in Osterholz-Scharmbeckim November 2023 fand er zwar keinen Verwertungsweg für das Gras, aber vielleicht eine Option, wie es für die Hochmoorstandorte alternativ weitergehen könnte. Dort wurde der Mutterkuhhalter auf das Start-up ZukunftMoor aufmerksam und findet das Konzept, Torfmoos auf wiedervernässten Flächen anzubauen, interessant.

„Am liebsten wollen wir auf unseren Nasswiesen wirtschaften, um weiterhin Landwirtschaft mit den Tieren betreiben zu können“, sagt Lütjen-Wellner. Eine Umstellung auf Torfmoos wäre alles andere als seine Traumvorstellung. Aber er sagt: „Auch wenn ich Kuh-Mann mit dem Herzen bin, irgendwoher muss das Geld kommen. Mir ist mittlerweile fast egal, was wir machen. Hauptsache der Betrieb lebt und wir können selbst etwas produzieren.“ Wenn das Torfmoos-Geschäftsmodell bewiesen wäre, Lütjen-Wellner würde wohl darüber nachdenken, einzusteigen.

Hürden und Zielkonflikte

Um allerdings einmal zu zeigen, dass selbst ein theoretisch umstellungswilliger Betrieb wie Lütjen-Wellner derzeit kaum handlungsfähig ist, finden hier seine Fragen Platz:

  • Wie kollidiert ein bestehender Schutzstatus einer Fläche mit einer potenziellen Wiedervernässung?
  • Wäre die Einrichtung einer Paludikultur im Grünland überhaupt möglich? (Stichwort Umbruchverbot)
  • Wenn Paludikulturen rentabel wären, wie beeinflusst das die Pachtpreise oder verliert man gar seine Flächen?
  • Welche staatlichen Förderungen ermöglichen das Überleben in den Umstellerjahren?
  • Sind die politischen Rahmenbedingungen verlässlich genug für so einen immensen Umstellungsschritt?

Der Landwirt, der sich durch die Schutzstati seiner Flächen bereits in die Ecke gedrängt sieht, begreift den Klimaschutz als Chance für seinen Betrieb. Aber er wird ungeduldig. Derzeit sind ihm die Flächenprämien auf den eigenen Standorten noch sicher. „Aber wer weiß, wie es damit weitergeht“, so seine Sorge. Also zeigt er sich offen für Optionen wie Paludikulturen– und sogar für Investitionen. „Hauptsache es geht weiter. Wir wollen loslegen und endlich in die Umsetzung kommen.“

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