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Biogaserzeugung im Mini-Format

Immer mehr Milchviehhalter erzeugen mit einer Mini-Gülleanlage unter 75 kW eigenen Strom und Wärme. Welche Vorteile hat das und für wen eignet sich das System?

Lesezeit: 4 Minuten

Eigene Energie, weniger Emissionen und aufgewerteter Dünger, kurzum: Mehr aus der Gülle machen. Das ist das Ziel von Milcherzeugern, die eine Biogasanlage nur mit Gülle oder Mist betreiben.

Mit Einführung der Sondervergütung im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2012 ist die Zahl der sog. Güllekleinanlagen gestiegen. Laut dem Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ) ge­­hörten 2021 ca. 1 000 der bundesweit 9 600 Biogasanlagen zu der Kategorie, in der hauptsächlich Gülle und Mist eingesetzt werden. Das könnte sich ändern.

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Klimaschutz mit Gülleanlage

Mehr Wirtschaftsdünger zur Biogasproduktion zu nutzen und so auch die Methanemissionen der Tierhaltung zu senken, ist schon seit Jahren ein Ziel der Politik. Unter anderem soll laut der Nationalen Biomassestrategie (NABIS) der Anteil der Wirtschaftsdünger zur Biogasproduktion von aktuell 30 % auf mind. 60 % bis 2035 steigen.

Das ist auch dringend nötig, meint Roland Schulze Lefert von der Landwirtschaftskammer NRW: „Um die Klimaschutzziele zu erfüllen, müssen wir mehr Energie aus Gülle erzeugen. Alternativ gibt es in einigen Jahren nur noch eine Lösung: Tierzahlen und Düngung drastisch senken.“

Durch die energetische Nutzung von Gülle lassen sich Treibhausgas-Emissionen vermeiden: Die Emissionen der Güllelagerung sinken und Strom bzw. Wärme sind nutzbar. Würde die gesamte deutsche Gülle energetisch genutzt, ließen sich rund 6 Mio. t CO2-äq einsparen. Zum Vergleich: 2022 be­trugen die Emissionen der Landwirtschaft ca. 61,5 Mio. t und das Ziel für 2030 sind 56,6 Mio. t CO2-äq. Roland Schulze Lefert betont: „Bioenergie aus Wirtschaftsdünger zu erzeugen, hat pro Energieeinheit einen größeren Klimaeffekt als fossile Kraftstoffe einzusparen.“

Regionale Kreisläufe

Für Milcherzeuger, die noch keine Biogasanlage betreiben, könnten kleine Gülleanlagen interessant werden.

Roland Schulze Lefert kalkuliert mit 22 m3 Gülle pro Kuh und Jahr. Abhängig vom Wirkungsgrad der ­Anlage lassen sich damit 1 300 bis 1 700 kWh Strom erzeugen. Für eine 150 kW-Anlage nach EEG 2023 sind damit rund 600 GVE nötig. Rindermist hat im Vergleich zu Gülle einen höheren Gasertrag. Die Anlagentechnik ist aber aufwendiger.

Immer mehr Hersteller bieten spezielle sehr kleine Anlagen an, wie z. B. die Firma Biolectric aus Belgien. Thorsten Kämpfer ist für das Deutschlandgeschäft zuständig und betont: „Gülle hat ein energetisches Potenzial und es entstehen keine laufenden Kosten für Substrate, weil der Wirtschaftsdünger vorhanden ist.“ Für eine 22 kW-Anlage kalkuliert er bspw. mit 120 Milchkühen ohne Nachzucht.

Neben geringeren Emissionen hat eine Güllekleinanlage weitere Vorteile: Die Betriebe sind z. B. unabhängiger von steigenden Energiekosten. „Nach aktuellem EEG erhalten die Betreiber ca. 22 Cent pro kWh Strom. Wer den Strom selbst nutzt, kann mit diesem Preis fest kalkulieren“, sagt Thorsten Kämpfer. Darüber hinaus schließen die Betriebe regionale Nährstoffströme: Der Wirtschaftsdünger wird durch das Vergären homogener und flüssiger. Die Nährstoffe sind besser pflanzenverfügbar.

Herausforderungen bei Genehmigung

Doch auch einige Herausforderungen sind laut Roland Schulze Lefert zu bedenken: „Selbst für eine 30 kW-Güllekleinanlage müssen Landwirte mit mindestens 250.000 € kalkulieren. Das rechnet sich nur, wenn ein ausreichend großes Güllelager außerhalb des Stalles vorhanden ist.“ Der Behälter sollte für das Lagern von Gärresten zugelassen sein oder sich dafür umgenehmigen lassen.

Denn für das Lagern von Gärresten gelten laut Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV) strengere Auflagen als für die Lagerung von Gülle, wie z. B. eine Havarieumwallung oder Leckageerkennung. Das treibt die Kosten. Weshalb für vergorene und frische Gülle unterschiedliche Auflagen gelten, ist für Schulze Lefert nicht nachvollziehbar. „Damit macht die Politik den Betrieben den Einstieg in die Güllevergärung unnötig schwer.“

30 kW noch eine Nische

Zudem muss der Stall für das System der Güllevergärung passen: Wirtschaftsdünger lassen sich energetisch optimal nutzen, wenn diese möglichst „frisch“ in den Fermenter gelangen. Idealerweise sollte die Gülle von einem planbefestigten Laufgang in die Vorgrube der Biogasanlage kommen.

Betrieben, die sich für eine Mini-Gülleanlage interessieren, rät Roland Schulze Lefert genau zu klären, welche Reparaturen und Wartungskosten der Anbieter übernimmt: „Güllekleinanlagen mit 30 kW oder weniger sind noch eine Nische auf dem Markt. Wie sich neue Technik langfristig bewährt, kann noch niemand sagen.“

Milchviehhalter sollten zudem tech­­nikaffin sein und im Zweifel Reparaturen selbst erledigen können bzw. wollen. „Unternehmen, die neu auf dem Markt sind, können auch schnell wieder verschwunden sein. Mit seiner Anlage ist man dann alleine. Dieses Risiko sollte man sich bewusst machen“, so Roland Schulze Lefert. Er stellt aber fest: „Wenn alle Voraussetzungen passen, kann eine Mini-Gülleanlage ein interessantes System sein. Weil diese Anlagen ein großes Klimaschutzpotenzial haben, sollte die Politik das mehr unterstützen.“

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