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Tierwohl vs. Umweltschutz: Was ist wichtiger in der Schweinehaltung?

Schweinehalter müssen immer strengere Auflagen in puncto Emissionsschutz erfüllen. Gleichzeitig fordern Verbraucher und Handel mehr Tierwohl. Wie geht das zusammen?

Lesezeit: 5 Minuten

Schweine sollen an die frische Luft und mehr Rohfaser fressen, gleichzeitig aber möglichst wenig Nährstoffe ausscheiden und Emissionen verursachen. Hier sind Zielkonflikte vorprogrammiert. Müssen wir uns also künftig zwischen Tier- und Umweltschutz entscheiden?

Grobfutter verschlechtert die Nährstoffbilanz

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Welche Widersprüche sich bei den Nährstoffausscheidungen in besonders tiergerechten Haltungsverfahren ergeben, stellte Prof. Stephan Schneider von der Hochschule Nürtingen-Geislingen vergangene Woche auf den KTBL-Tagen in Weimar vor. Organisches Beschäftigungsmaterial spielt im staatlichen Tierwohllabel und den Tierwohlprogrammen des Handels eine große Rolle.

Das Problem: Fressen die Schweine zusätzliches Grobfutter, scheiden sie auch mehr Kot aus. Denn Stroh, Grascobs und Co. ersetzen das Hauptfutter nicht. Stattdessen nehmen die Schweine insgesamt mehr Futter auf und die Nährstoffbilanz wird schlechter. Außerdem kann es vorkommen, dass die Schweine das Grobfutter nicht vollständig aufnehmen, sondern es durch die Spalten in die Gülle fällt. Das erhöht den Nährstoffeintrag abermals.

Gleichzeitig nimmt mit steigendem Rohfasergehalt in der Ration die Verdaulichkeit insbesondere von Rohprotein kontinuierlich ab. Dadurch scheiden die Schweine mehr Stickstoff ungenutzt aus, was die Stickstoffbilanz weiter verschlechtert.

Kontroverse um Umweltschutz und Tierwohl

Die TA-Luft schreibt jedoch genaue Obergrenzen für die maximalen Ausscheidungen von Stickstoff (N) und Phosphor (P2O5) pro Tierplatz und Jahr vor. Sie richten sich unter anderem nach den angestrebten Tageszunahmen und Durchgängen pro Jahr. Als Basis dienen die Nährstoffausscheidungen der stark N/P reduzierten Fütterung laut DLG-Empfehlung.

Prof. Schneider demonstrierte anhand eines Beispielbetriebs, dass bereits das Angebot von 1 % Grascobs zusätzlich zum Hauptfutter ausreichen kann, um die Grenzwerte der TA Luft zu überschreiten. Andererseits seien faserhaltige Futtermittel ein wichtiges Werkzeug, um Ammoniak- und Geruchsemissionen zu mindern. Und sie helfen dabei, Schwanzbeißen zu reduzieren. „Wir müssen uns entscheiden: Ist Umweltschutz oder Tierwohl wichtiger?“, beschrieb er das Dilemma.

Dass Gesetze und Tierwohllabel immer mehr Rohfaser fordern, beurteilt Schneider als voreilig. Denn bislang würden ausreichende wissenschaftliche Erkenntnisse dazu fehlen. „Erst einmal brauchen wir verlässliche und einheitliche Untersuchungsmethoden, um die Wirkung von Futtermitteln auf Umwelt und Tierwohl sinnvoll bewerten zu können“, forderte er.

Haltungsform 4 trotz Spalten im Auslauf?

Landwirtin Gesa Langenberg aus Diepholz in Niedersachsen hat ein Konzept gefunden, mit dem sie Tierwohl und Umweltschutz in der Schweinemast unter einen Hut bekommt. Einen Teil ihrer Schweine hält sie seit knapp 1,5 Jahren in einem umgebauten Altgebäude. Im Innenbereich befindet sich der planbefestigte Liegebereich mit Minimaleinstreu. Mithilfe einer Unterflurlüftung unter dem Mittelgang und "CoolPads" an beiden Enden kann sie den Innenbereich im Sommer kühlen, sodass die Schweine dort nicht abkoten. Über Pendeltüren gelangen die Tiere nach draußen in den ebenfalls planbefestigten Fressbereich. Daran schließt der Kotbereich an, der mit Kunststoffrosten ausgelegt ist. Unter den Spalten ist eine Kot-Harn-Trennung mit Unterflurschieber installiert.

Forscher aus Österreich haben mittlerweile nachgewiesen, dass die Ammoniakemissionen in diesem Konzept nur 0,73 NH3 pro TP und Jahr betragen. "In diesem Stall kann ich eine artgerechte Tierhaltung ermöglichen und verbessere durch die gute Luft gleichzeitig die Arbeitsbedingungen", erklärte die Schweinemästerin. Deshalb möchte sie demnächst alle Ställe auf Haltungsform (HF) 4 umstellen.

Das staatliche Tierhaltungskennzeichnungsgesetzt schreibt für die Haltungsform 4 bzw. "Auslauf/Weide" jedoch vor, dass der Boden im Auslauf geschlossen sein muss. Erfüllen Langenbergs Ställe die Kriterien für HF 4 also nicht mehr? Ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) erklärte auf Anfrage, dass die planbefestigte Fläche lediglich die im Gesetz genannten Platzvorgaben erfüllen muss. Darüber hinaus darf im Auslauf noch zusätzliche Fläche mit perforiertem Boden vorhanden sein. Der Stall wird daher trotz Spaltenbereich als HF 4 anerkannt.

Technik mindert Ammoniak

Dass Umweltschutz in Tierwohl-Ställen funktionieren kann, erklärte anschließend Prof. Eva Gallmann von der Universtät Hohenheim. Im EmiDat-Projekt hat sie zusammen mit anderen Wissenschaftlern die Ammoniak-(NH3) Emissionen in insgesamt acht Mastställen mit Ausläufen gemessen. Vier Ausläufe waren planbefestigt und eingestreut. In den anderen war der Boden perforiert.

In den planbefestigten Ausläufen haben die Wissenschaftler einen Durchschnittswert von 3,9 kg NH3 pro Tierplatz (TP) und Jahr ermittelt. Bei Spaltenboden waren es 2,4 kg pro TP/Jahr. Zum Vergleich: In einem zwangsbelüfteten Stall betrug der Mittelwert 3,4 kg NH3 je TP/Jahr.

Weiterführend haben die Wissenschaftler im EmiMin-Projekt untersucht, wie stark bestimmte Techniken die Emissionen mindern können. In vier Tierwohlställen haben sie dazu den Einsatz von Unterflurschiebern in Kombination mit einer Kot-Harn-Trennung bewertet. Hier befindet sich mittig unter dem perforierten Kotbereich eine Harnrinne. Die Sohle des Güllekanals hat zur Mitte hin auf beiden Seiten ein Gefälle von 3-10 %. Darüber verläuft ein Schieber, der den Kot aus dem Stall befördert.

Laut den Messungen reduzieren sich die Emissionen in diesem System auf 1,2 kg NH3 pro TP/Jahr. „Eine Kot-Harn-Trennung kann die Ammoniak-Emissionen somit im Schnitt um 49 % mindern“, fasste Prof. Gallmann die Ergebnisse zusammen.

In einem weiteren Versuch haben die Forscher zusätzlich einmal täglich einen Urease-Hemmer mithilfe einer Rückenspritze auf den Spaltenboden aufgetragen. Dabei reduzierten sich die Emissionen noch weiter auf 0,9 kg NH3 pro TP/Jahr. „Damit haben wir bewiesen, dass die Emissionen in Außenklimaställen mit der entsprechenden Technik erheblich niedriger sein können als in zwangsbelüfteten Ställen“, fasste Prof. Gallmann zusammen.

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