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Landwirtschaft weltweit

Argentinien: Mehr als Soja, Mais und Direktsaat

Das zweitgrößte Land Südamerikas hat einiges zu bieten. Doch vor allem der Ackerbau ist anders als gedacht. Schlaglichtartige Eindrücke einer Reise – Teil 1.

Lesezeit: 8 Minuten

Hinweis: Die Reise fand in privatem Rahmen statt.

Die Landwirtschaft in Argentinien ist vielseitig und die Bauern erfinderisch. Auf einer Reise durchs Land im Februar 2024, organisiert von Farm-Tours, konnten wir viele Eindrücke gewinnen. Wir trafen auf Landwirte und Berater, die lieben was sie tun – aber nicht immer alle Fragen beantworten konnten. Wie stark sich Argentinien von Uruguay unterscheidet, lesen Sie in Teil 2 (erscheint in der nächsten print-Ausgabe 5/2024).

Schnell gelesen

Argentinien ist der drittgrößte Soja­exporteur weltweit, allerdings ist die inländische Wirtschaft eher instabil.

Direktsaat ist das Verfahren der Wahl, um möglichst effizient Mais, Soja und Co. anzubauen.

Alternative Betriebszweige spielen eine große Rolle, da die Erlöse vom Ackerbau schwanken, die Pachten sind einjährig.

In der Forschung für weitere gen­technisch veränderte Kulturen tut sich in Argentinien viel.

Argentinien ist der weltweit drittgrößte Sojabohnenproduzent, deswegen dreht sich landwirtschaftlich vieles um die Bohne. Rund um Rosario, der drittgrößten Stadt Argentiniens, liegen die fruchtbarsten Flächen des Landes. Das Land ist flach, Soja steht soweit das Auge reicht.

Noch erwartet der Weltmarkt von Argentinien eine Ernte von 50 Mio. t. Allerdings haben die vorangegangene dreijährige Trockenheit und die für Argentinien viel zu hohen Temperaturen von bis zu 38 °C die Erträge leicht reduziert. Je nach Standort fielen nur ca. 700 statt 1.000 mm Regen. Letztes Jahr musste das Land sogar auf dem Weltmarkt Soja einkaufen.

Ackerbau, Mühle, Rinder und Legehennen

Dennoch ist Agrarier Marcos zuversichtlich. Er ist strategischer Leiter des Unternehmens Protoil, zu dem neben dem Ackerbau auch Rinder, zwei Mühlenstandorte und Legehennen gehören sowie insgesamt 250 Angestellte. Auf 1.000 ha stehen Sojabohnen, etwas Mais und Sonnenblumen.

„Die guten Böden hier haben einen Aufbau von 35 cm Schwarzerde“, erzählt Marcos. Für dieses Jahr erwartet er einen Sojaertrag von 6 t/ha, nach den enttäuschenden 900 kg/ha im letzten Jahr. Alle zwei Jahre stehen für eine zweite Ernte über Winter Weizen, Erbsen oder Hafer vor Soja. Die schlechteren Flächen werden für ein Jahr be­weidet (Weidelgras und Luzerne), der Betrieb hält 300 Mutterkühe für die eigene Nachzucht des 2.000 Tiere großen Feedlots. „Die Kälber bleiben vier Monate bei den Kühen, sind dann neun Monate auf der Weide und 60 Tage im Feedlot“, so Marcos. Mit 350 bis 420 kg Lebendgewicht gehen die Tiere zum Schlachthof.

Nach der Weide wird der Boden flach mit der Scheibenegge bearbeitet, dann direkt gesät – alles durch Lohnunternehmer und mit Precision farming-Technik. Wie viele Argentinier setzt Marcos auf Direktsaat, um Wasser zu sparen. Saatzeit für Soja ist im Oktober, Mais lässt er zur Risikostreuung von September bis Dezember säen. In einer der Mühlen, nahe der Kleinstadt Pergamino, werden Soja und Sonnenblumen zu Rohöl und Mehl verarbeitet. Die zweite Mühle in Pilar produziert Biodiesel, Speiseöl und Glycerin. Pro Tag werden 700 t Soja und 850 t Sonnenblumen verarbeitet, so Marcos, und setzt dabei auf Zukauf.

Das entstehende Extraktionsschrot wird sowohl im Feedlot als auch an die Legehennen verfüttert. Rund 830.000 weiße Hühner niederländischer Genetik hält der Betrieb in mehreren Ställen in Käfighaltung (mit Kühlung). Verkauft werden die Eier im Dutzend zu umgerechnet 7 Cent/Ei. Marcos hofft, dass es keine Kampagne für „Eier ohne Käfighaltung“ gibt.

Gewinn durch Polopferde

Auf Saatmais im Ackerbau setzt Francisco, der für den Ackerbau eines anderen Betriebes verantwortlich ist. Erst vor Kurzem wurden die Blüten der Maispflanzen gehäckselt. Auf 350 ha kann der Betrieb beregnen, was insbesondere für den Saatmais wichtig ist. Auch hier wächst natürlich Soja, bringt im Verhältnis jedoch weniger Erlös.

Der Betrieb hat zudem einen zweiten lukrativen Betriebszweig: Aktuell stehen 250 Pferde auf den Weiden. Wenige Polopferde sind in Pension hier, ein Großteil sind Leihmutterstuten für den Embryotransfer und die Aufzucht der Fohlen. Zudem bildet der Betrieb Polopferde aus – nur Stuten, da diese leichter zu trainieren seien. „Wir können eine Stute für rund 40.000 $ verkaufen“, sagt Francisco.

Ob sich dann der Ackerbau noch lohnt, prüft der Betrieb jährlich. Das sei eine betriebswirtschaftliche Frage. Im Zweifel werden die Flächen nicht wieder gepachtet, dann sät jemand anderes Mais, Soja oder Weizen.

So macht’s der ­Familienbetrieb

Der für deutsche Verhältnisse mit 200 ha gut ausgestattete Familienbetrieb von Guillermo ist im Land ein eher kleiner Betrieb. Seit zwei Jahren will er Direktsaat mit System umsetzen und hält nun 112 Mutterkühe auf 36 ha.

Diese Fläche rotiert, sodass sich die Nährstoffe gut verteilen. Ein Blick in den Boden zeigt, dass noch viel Arbeit notwendig ist: Die Erde ist plaqueartig geschichtet, was sicherlich auch der Trockenheit geschuldet ist.

Wie verdienen argentinische Landwirte Geld?

Argentinien ist weder wirtschaftlich noch politisch sonderlich stabil. Die offizielle Währung, der argentinische Peso, verliert stark an Wert: 1 US-$ entsprechen 800 Peso, sodass sich für „nebenoffizielle“ Geschäfte ein Schattenpeso etabliert hat (1 US-$ = 1.100 Peso). In der Landwirtschaft wird üblicherweise im stabilen US-$ gerechnet.

Fläche ist in Argentinien teuer, viele Familien mussten in den letzten Jahrzehnten Land verkaufen, um zu überleben. Gute Böden werden mit 15.000 bis 16.000 $/ha gehandelt, schlechte mit 1.000 bis 7.000 $/ha. Zwischen 60 und 70 % der Flächen sind Pachtland, mit jährlichen Pachtverträgen. Bezahlt wird üblicherweise in Sojabohnen, z. B. zahlt Marcos 2 t/ha Soja.

Wie nun die Landwirte Geld damit verdienen, ist der Reisegruppe nicht ganz klar geworden. Ein Großteil des Einkommens der Landwirte würden als Steuern abgeführt, erklärt die Direktsaatberaterin Augusta. Zudem wird jedes exportierte Sojaprodukt mit einer zusätzlichen Steuer von 33 % belastet. „Die Argentinier sind einfallsreich“, sagt Augusta und erklärt: Ein Argentinier besitzt Fläche, ein anderer Geld und ein dritter die Maschinen. Zusammen ergibt sich eine Art landwirtschaftlicher Betrieb.

Alles mit Gentechnik

Was alle Betriebe eint: 99 % der angebauten Kulturen, insbesondere Mais und Sojabohnen, sind ganz selbstverständlich gentechnisch verändert. Dabei setzen die Landwirte nicht nur auf gegen den Wirkstoff Glyphosat resistente Round­up-ready-Sorten. Der Mais bei Marcos z. B. ist zudem gegen Haloxyfob-haltige Herbizide resistent sowie auch bei Soja gegen Insekten durch die Wirkung von Bacillus thuringiensis-Toxinen (Bt-Sorten). Zwar wird auch in Argentinien über gentechnisch veränderte Lebensmittel diskutiert, allerdings nicht in einem so großen Stil wie in Deutschland.

In diesem Segment ­unterwegs ist auch Bioceres Crop Solution mit einem Umsatz von ca. 400 Mio. US-$. Die Sparte gehört zum argentinischen Konzern Bioceres. Forscher Rufino arbeitet an trockentolerantem Weizen, Soja und Luzerne mit dem Hahb-4-Gen aus Sonnenblumen.

Entstanden sind HB4-Weizen und Soja, die unter Trockenstress weiter Photosynthese betreiben und die Stomata geöffnet lassen. Allerdings sind die wenigen zugelassenen Sorten nur unter Trockenstress wirtschaftlich. Nach 15 Jahren Forschung wurden 2019 erste Sorten auf dem Markt angeboten, aktuell steht HB4-Weizen auf 50.000 ha und HB4-Soja auf 20.000 ha in Argentinien.

Zu Bioceres gehört auch die weltweit agierende Sparte Rizobacter mit einem Umsatz von 279 Mio. US-$. Dort werden 23 % des weltweit verimpften Sojainokulums produziert. Zudem zählen biologische Pflanzenschutzmittel, Dünger und Biostimulanzien zum Geschäft.

Fleisch ist das Nahrungs­mittel Nr. 1 der Bevölkerung

In den ersten Tagen der Reise stand der Ackerbau im Mittelpunkt, Maschinen konnten wir allerdings kaum entdeckten. Spontan konnten wir noch ein Feedlot besichtigen, in dem der hauptberufliche Tierarzt Marcello bis zu 3.500 Tiere hält. Der stechende Geruch zieht direkt in die Klamotten: Die Rinder stehen im Mist, darunter befindet sich Erde und eine ­undurchlässige Schicht.

Jeder Feedlot bietet pro Tier 23 m² Platz. Durch ein 2 %iges Gefälle läuft die Gülle in einen zentralen Kanal, Mist und Gülle werden auf der betrieblichen Ackerfläche ausgebracht. Die Tiere kommen mit sechs bis acht Monaten und ca. 200 kg auf den Betrieb und bleiben 120 bis 130 Tage. Über eine Ohrmarke mit Chip sei jedes Tier rückverfolgbar, so Marcello.

Wir kommen passend zur zweiten Fütterungszeit um 17.00 Uhr. Gerade belädt ein Radlader den Futtermischwagen hinter einem Trecker argentinischer Marke. „Der kostet rund 70.000 $“, sagt Marcello. Die Tageszunahmen liegen bei 1,4 kg brutto. Das Futter besteht zum Großteil aus Maiskorn und -spindeln, Heu, ein wenig Soja und Schlempe. Rund 85 % der Tiere gehen in den argentinischen Markt und werden mit 330 kg Lebendgewicht geschlachtet, mit 450 kg für den Export. Der Schlachthof liegt 50 km entfernt, Marcello bezahlt dort die Dienstleistung und verkauft das Fleisch selbst an Supermärkte oder Schlachtereien. Das Geschäft läuft gut, Marcello will demnächst auf 5.000 Plätze aufstocken.

Soja Vom Hafen in die Welt

Wie der Sojaexport ab Hafen funktioniert, konnten wir in Rosario besichtigen. Das 60 ha-große Hafengelände gilt als weltweit größter Hafen für Soja: Hier könne laut Pressesprecher die gesamte argentinische Ernte verarbeitet werden. Gut 75 % des Sojas aus Argentinien wird von hier über den Fluss Paraná exportiert.

Viele Händler haben sich am Hafen eingemietet, u. a. Cargill, ADM und die Luis Dreyfus Company (LDC). Bei der LDC werden pro Tag 1.000 Lkw mit Soja abfertigen. Hier steht die größte Ölpresse von Dreyfus, die Produktion von 2 Mio. l Biodiesel/Tag gehen komplett in den Export, der größte Anteil davon nach Europa.

Ihre Erfahrung ist gefragt

Sind Sie schon mal mit einer landwirtschaftlichen Studienreise unterwegs gewesen? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

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