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BayWa in Insolvenzgefahr Ernte 2024 GAP-Vereinfachungen

topplus Zukunft der Landwirtschaft

Hofübernahme und Existenzgründung brauchen Geld und guten Rat

Existenzgründungen in der Landwirtschaft und Hofübernahmen kosten Geld. Wer den Sprung in die Selbstständigkeit wagt, muss auch Verwaltungsfragen und Zwischenmenschliches einkalkulieren.

Lesezeit: 5 Minuten

In Brandenburg und in anderen Teilen Deutschlands fehlt es offenbar nicht an jungen Leuten, die sich den Neueinstieg in die Landwirtschaft oder auch eine außerfamiliäre Hofnachfolge gut vorstellen können. Auf dem Weg in die Existenzgründung müssen aber oft logistische, finanzielle und zwischenmenschliche Hürden überwunden werden. Das ist bei der Veranstaltung mit dem Titel „Wir wollen ackern - landwirtschaftlichen Nachwuchs stärken“ deutlich geworden, die am vergangenen Donnerstag an der Hochschule (HNEE) in Eberswalde stattfand.

Brandenburg fördert ab 2023 Existenzgründung

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Brandenburgs Landwirtschaftsminister Axel Vogel betonte den auch aus seiner Sicht notwendigen Förderbedarf für junge Menschen auf dem Weg in die landwirtschaftliche Selbstständigkeit. Er kündigte für die kommende Förderperiode der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) - also ab 2023 - eine Existenzgründungsunterstützung in der Zweiten Säule an. Konkret handelt es sich dabei um eine unternehmensgebundene Pauschale in Höhe von 75 000 € je Antragssteller. Insgesamt stehen dafür bis 2027 insgesamt 7,5 Mio. € zur Verfügung. Das soll für etwa 100 Unternehmensgründungen in der Zeit von 2023 bis 2027 in Brandenburg reichen, bei Mehrbedarf will Vogel nachsteuern, sagte er auf der Veranstaltung zu.

Eine Unterscheidung zwischen Übernahme oder Neugründung soll laut Vogel nicht gemacht werden. Die Prämie ist allerdings von mehreren Grundvoraussetzungen abhängig: Für einen erfolgreichen Antrag muss eine landwirtschaftliche Ausbildung nachgewiesen werden. Zudem muss die Betriebsstätte mit maximal 2 Großvieheinheiten pro Hektar ihren Sitz in Brandenburg haben.

Bewegung für Existenzgründungen in mehreren Bundesländern

Ab 2023 haben neben Brandenburg auch Bayern, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Thüringen die Einführung von Existenzgründungsprämien angekündigt. Sachsen-Anhalt und Sachsen haben damit bereits mehrjährige Erfahrungen. In ihren Koalitionsverträgen von diesem Jahr haben auch Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen angekündigt, Existenzgründungen in der Landwirtschaft besonders zu unterstützen.

Ämtern klar machen, dass Beerenobst auch Landwirtschaft ist

Für Junglandwirt und Existenzgründer Martin Zschoche aus Sachsen-Anhalt hatte eine solche in seinem Bundesland bereits existierende Existenzgründungsprämie handfeste Vorteile: „Der größte Benefit der Prämie war, dass ich eine Sicherheit gegenüber der Bank für Investitionen hatte“, sagte er. Bezüglich der Ausgestaltung der Förderrichtlinie in Brandenburg empfahl Zschoche, der auf 20 ha Gemüse und Beerenobst für die Direktvermarktung anbaut, die Prämie auch kleinstrukturiertem Betriebsformen zugutekommen zu lassen.

Der Jungunternehmer erwartet auch von den Ämtern mehr Beweglichkeit in puncto Neugründung von Agrarbetrieben. "Mein größtes Problem war, den zuständigen Stellen klar zu machen, dass die Erzeugung von Beerenobst auch Landwirtschaft ist“, erzählte er.

Mehr Spielraum für unternehmerische Entscheidungen

Die Brandenburger Junglandwirte Maria Mundry mit ihrem Nebenerwerbsbetrieb „Schwarze Kuh“ und Johann Gerdes vom „Beerfelder Hof“ hätten sich eine Existenzgründungsprämie schon früher gewünscht. Gerdes geht davon aus, dass er mit der Prämie wahrscheinlich seine außerfamiliäre Betriebsübernahme ohne einen externen Investor aus eigener Kraft hätte stemmen können. Er fragt sich allerdings, ob Banken solche in Aussicht stehenden Fördergelder überhaupt als Sicherheit oder Finanzierungsgrundlage akzeptieren würden.

Maria Mundry sieht einen großen Vorteil der Prämie darin, dass sie auch für Investitionen in gebrauchte Maschinen genutzt werden kann. „Die aktuelle Investitionsförderung der ILB ist immer an Neuanschaffungen gebunden, ich brauche aber für meine Rinder keinen neuen Traktor“, verdeutlichte die Junglandwirtin. Ob die Kriterien praxistauglich ausgestaltet sind, werde die Zukunft zeigen.

Inner- und außerfamiliäre Übernahme sind zwei Paar Schuhe

Auch der Bund will sich mehr für Existenzgründungen in der Landwirtschaft engagieren. Der Leiter des Referates Bodenmarkt im Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL), Jobst Jungehülsing, wies darauf hin, außerfamiliäre Übernahmen von Agrarbetrieben in den ostdeutschen Bundesländern schon zur Normalität gehörten und auch im Westen viel in Bewegung komme. Laut Jungehülsing darf allerdings nicht vergessen werden, dass sich die Startbedingungen von inner- und außerfamiliärer Betriebsgründung wesentlich voneinander unterscheiden. Das BMEL prüfe aktuell, wie es Existenzgründerinnen und Existenzgründer noch besser unterstützen könne, kündigte er in der Podiumsdiskussion an.

Momentan sei Förderung und Beratung jedoch noch ausschließlich auf innerfamiliäre Übernahmen ausgerichtet, konstatierte der Bodenmarktexperte. Dabei werden betriebliche Werte von 2 bis 10 Mio. € übergeben, die außerfamiliären Gründern nicht zur Verfügung stünden. Letztere hätten damit einen viel größeren Fremdkapitalbedarf, betonte Jungehülsing. Die Beratungs- und Gründungsförderung für beide Zielgruppen müsse daher nach seiner Auffassung auf die ganz unterschiedlichen Voraussetzungen dieser Hofübernahmen abgestimmt sein.

Hofübergabe muss moderiert werden

Die Finanzen sind das Eine. Laut der Freien Beraterin für Hofnachfolge und Dozentin an der Hochschule Eberswalde (HNEE), Dr. Marianne Nobelmann, gibt es aber gerade bei außerfamiliären Hofübernahmen oft auch zwischenmenschliche Probleme, die einem erfolgreichen Abschluss der Übergabe im Wege stehen. Externer Beratungsbedarf bestehe deshalb häufig auch in dieser Hinsicht, denn „der Prozess sollte moderiert werden, um die Interessen zu verhandeln“. Darauf seien Beratung und Förderung aber noch nicht abgestimmt, so Nobelmann.

Nachholbedarf sieht sie ebenfalls in der Ausbildung, die den Einstieg in Agrarunternehmen oder Neugründungen bislang noch nicht ausreichend abbilde. Nobelmann plädiert deshalb für „neue Formen der Ausbildung“, die beispielsweise an der HNEE bereits in Planung sind. Der geplante duale Masterstudiengang mit dem Namen „Gründung, Nachfolge, Kooperation in der Landwirtschaft“ hat eine Doppelqualifizierung aus wissenschaftlichem Studium und berufspraktischer Erfahrungsbildung für künftige landwirtschaftliche Unternehmerinnen und Unternehmer zum Ziel.

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