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topplus Klartext vom Lactalis-Chef

„Wir können nicht tolerieren, dass Milch in unseren Regalen steht, die keine echte ist!“

Das sagte der Chef der Lactalis-Molkerei beim Gipfel der europäischen Milchindustrie. Die Milchwirtschaft forderte von allen Gliedern der Kette mehr Anstrengungen für Nachhaltigkeit und Imagepflege.

Lesezeit: 4 Minuten

Die „Creme de la Creme“ der Milchindustrie traf sich bei der Jahrestagung ihres EU-Dachverbands (European Dairy Association, EDA) Ende vergangener Woche in Brüssel.

In einer Sache waren sich die Vorstände der größten Molkereien, Politiker und Wissenschaftler einig: Ohne den intensiven Austausch mit Landwirten sei eine zukunftsfähige Milchwirtschaft unmöglich. Da Landwirt und Grünenpolitiker Martin Häusling jedoch kurzfristig absagte, fand sich zumindest unter den elf Podiumsgästen kein Landwirt.

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Wir können uns keine weiteren fünf Jahre in der Verteidigungsrolle leisten“
- EDA-Präsident Giuseppe Ambrosi

Direkt in seiner Eingangsrede betont EDA-Präsident Giuseppe Ambrosi, dass die Milchindustrie zwar hinter dem Green Deal stehe, die letzten Jahre jedoch „vergeudete Zeit der EU-Kommission“ gewesen seien.

„Wir können uns keine weiteren fünf Jahre in der Verteidigungsrolle leisten“, sagt er. In der nächsten Legislaturperiode wolle er deshalb weiter für die drei Säulen der EU-Milchwirtschaft Binnenmarkt, Handelsabkommen für den Export von EU-Ware und die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) „kämpfen“.

Zwar führt die EU weiterhin das weltweite Ranking der Milchproduktion an. Doch der Sektor in den USA und in China wächst schnell. Um dem Wettbewerb standzuhalten sprachen sich die Vorstände von Arla, Friesland Campina und Lactalis weiterhin geschlossen gegen die Herkunftskennzeichnung aus. „Industrie und Landwirte verschließen sich so den Möglichkeiten eines größeren Marktes. Solche Maßnahmen fraktionieren diesen nur“, erklärt Lactalis COO Thierry Clément.

Das Image der Branche ist zerrüttet

Von den europäischen Milcherzeugern erwarten die Molkerei-Chefs mehr Milchvolumen und Qualität bei einer nachhaltigeren Produktion. Möglich sei das nur, wenn die Konsumenten weiterhin beherzt zu Milchprodukten greifen, so der Europa-Vorstand von Arla Peter Giortz-Carlsen.

Hier stecke eine der größten Herausforderungen der Branche: Die „Wiederherstellung“ des guten Rufes von Kuh, Käse und Milch. Zu viel Fokus liege auf dem CO2-Fußabdruck der Milchprodukte und zu wenig würde die hohe Nährstoffdichte und der große Nutzen der Kuh im Betriebskreislauf adressiert.

Lactalis-Chef Clément sprach davon, die Veranstaltungsgäste als „Botschafter der Milchindustrie rekrutieren“ zu wollen. Er sagte: „Wir müssen unsere Branche verteidigen. Wie können wir tolerieren, dass Milch in unseren Regalen steht, die keine Milch ist?“ Mehrfach betonte er die Konkurrenz durch pflanzliche Erzeugnisse.

Windisch: Wiederkäuer als Schlüssel zur nachhaltigen Landwirtschaft

Der Agrarwissenschaftler Dr. Wilhelm Windisch von der TU München erklärte allerdings: „Wiederkäuer sind der Schlüssel einer nachhaltigen Landwirtschaft. Es sollte keinen Kampf zwischen veganer und tierischer Ernährung geben, da beide Formen für die Ressourcenverwertung entscheidend sind.“

Dabei zeigte der Professor für Tierernährung, dass bei der Herstellung von einem Glas Haferdrink theoretisch auch ein Glas Kuhmilch erzeugt wird. Das liegt an den für den Menschen nicht essbaren Nebenprodukten, die Wiederkäuer verwerten können. Dennoch warnt er vor der intensiven Nutztierhaltung. Denn die gehe zu oft mit der Konkurrenz zur menschlichen Ernährung und Landnutzungsänderungen einher.

Methan-Emissionen sind überschätzt

Außerdem ging Dr. Windisch auf die Treibhausgasbilanz von Nutztieren ein. Methan ist zwar ein starkes Treibhausgas, hat jedoch eine Halbwertszeit von nur zwölf Jahren. Es baut sich im Vergleich zu CO2 viel schneller ab. Daher reichert sich das Methan kaum in der Atmosphäre an. Falls keine Wiederkäuer mehr existierten, läge die dadurch entstandene Treibhausgas-Einsparung bei weniger als 1 %.

Die Nachfrage wird ansteigen

Rund 50 % des globalen CO2 Fußabdrucks der Milchindustrie stammt aus der EU, so Giortz-Carlsen. Und die Menschen sind sich dem mehr und mehr bewusst. Dennoch glaubt er daran, dass die globale Nachfrage nach Milchprodukten um 2% ansteigen wird – denn die Bevölkerung wächst und vor allem Entwicklungsländer konsumieren mehr Milchprodukte. Neuen Zahlen der FAO zufolge wachse die Proteinlücke bis 2050 auf 33 Mio. Tonnen.

Das Vertrauen in die Politik fehlt.“
MdEP Norbert Lins

Der deutsche Vorsitzende des EU-Agrarausschusses Norbert Lins (CDU/ EVP) betonte, dass Landwirte mehr Investitionen tätigen müssen. Tatsächlich haben die Auswirkungen des Green Deal und der Farm To Fork – Strategie, so Lins, praktisch zu einem Stillstand geführt. Denn das Vertrauen in die Politik fehle.

Außerdem müssen die finanziellen Umstände der Landwirte Entscheidungen für nachhaltige Investitionen überhaupt ermöglichen. Es liege an der Milchwirtschaft, die Kosten für solche Maßnahmen abzufedern. Arla und Friesland Campina planen bereits fest damit, die Landwirte zusätzlich für Umweltleistungen zu entlohnen. Lactalis kündigt an, bald ein ähnliches Konzept vorzulegen.

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