Zuletzt aktualisiert am 15.05.2023 um 09:51 Uhr

Insektenzucht

Effiziente Proteinlieferanten und Chance für die Landwirtschaft? Berichte und Hintergründe zur Insektenzucht als zukunftsträchtige Alternative für landwirtschaftliche Betriebe.

Insekten gelten als effiziente Proteinlieferanten. Sie haben eine hohe Reproduktionsgeschwindigkeit, einen geringen Platzbedarf und sind potenziell effektive Verwerter von Reststoffen und Nebenprodukten aus der Landwirtschaft und Lebensmittelbranche. Daher rücken sie als Proteinquelle sowohl für den menschlichen Verzehr als auch für die Futtermittelproduktion immer wieder in den Fokus.

Insekten als Lebensmittel

In deutschen Regalen finden sich bisher wenige Insektenprodukte. Bei Lebensmitteln, die diese Insekten enthalten, muss in der Zutatenliste auf dem Etikett stehen, um welche Insektenart es sich handelt. Bisher hat die EU vier Insektenarten für den menschlichen Verzehr zugelassen:

  1. Larve des Mehlkäfers (Tenebrio molitor) – auch Mehlwurm genannt
  2. Wanderheuschrecke (Locusta migratori)
  3. Hausgrille (Acheta domesticus)
  4. Larven des Getreideschimmelkäfers (Alphitobius diaperinus) – auch Buffalowurm genannt

Insekten gelten in der EU als neuartige Lebensmittel (Novel Food) und müssen nach der sogenannten Novel-Food-Verordnung zugelassen werden. Die Hersteller müssen für jedes einzelne Insekt einen Zulassungsantrag stellen und wissenschaftliche Daten liefern.

Insekten als Futtermittel

Seit September 2021 ist die Verfütterung von verarbeitetem tierischem Protein aus Nutzinsekten an Schweine und Geflügel möglich, aber an strenge Regeln gebunden. Für Aquakulturen ist die Verfütterung in der EU bereits seit 2017 zulässig.

Zur Herstellung von Insektenprotein zur Fütterung sind sieben Insektenarten zugelassen. Etabliert haben sich vor allem die Schwarze Soldatenfliege, aber auch der Mehlkäfer/Mehlwurm, unter anderem wegen ihrer Inhaltsstoffe.

Landwirte als Insektenzüchter

Insektenzucht und Herstellung von Insektenprotein könnte ein Standbein für landwirtschaftliche Betriebe sein. Erste Insektenfarmen werden in Deutschland betrieben.

Als Futter für die Aufzucht der Nutzinsekten sind alle Futtermittel erlaubt, die auch für Nutztiere zulässig sind. Um Insektenfarmen möglichst nachhaltig zu betreiben, sollen die Tiere Nebenprodukte und biologische Reststoffe verwerten. Diese sollten wenn möglich aus der Umgebung stammen.

Globaler Wachstumsmarkt

In einer Studie aus dem Jahr 2021 ermittelt die Rabobank ein großes Wachstumspotenzial für die weltweite Insektenzucht. Die Experten rechnen mit einem Bedarf von 500.000 t im Jahr 2030. Zukunftsmärkte für das Insektenmehl seien besonders Aquakulturen, Heimtierfütterung und Geflügelfutter.

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